© Ghisla Art Collection

Ghisla Art Collection Locarno

Zwischen See und Piazza Grande liegt ein roter Kubus: Der Locarneser Architekt Franco Moro hat ein altes Haus umhüllt, um die Ghisla Art Collection zu beherbergen. Wie bei alten Schlössern muss man einen Wassergraben überwinden, um Zugang zu diesem kompakten Schmuckkasten zu erlangen.

Vom Obstgeschäft zur Kunstsammlung
Im Innern des roten Kubus entdeckt man einen echten Schatz: Drei Etagen voller Kunst, von Picasso bis zu Werken junge, zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler, ein Panorama der bildenden Kunst der vergangenen hundert Jahre bis heute. Und zu entdecken ist auch die unglaubliche Geschichte von Martine und Pierino Ghisla: Aus dem Bleniotal reiste der junge Pierino nach Brüssel, wo er eine fulminante Karriere im Obstgeschäft startete. Er heiratete dort Martine, die schon als Mädchen regelmässig im Tessin ihre Ferien verbracht hatte. Das Paar teilt die Leidenschaft für Kunst und begann schon früh Kunstwerke zu erwerben. Dabei bewegen sich die Ghislas ganz frei: beim Kauf folgen und vertrauen sie mehr ihrem Bauchgefühl als den Moden des Moments. Entstanden ist so eine bemerkenswerte Sammlung, die in Locarno einen festen Platz gefunden hat und mit Wechselausstellungen angereichert wird.

Bekanntes neben Unbekanntem
Als besonders inspirierend erweist sich der vergleichenden Ausstellungsteil im Parterre, der einen überraschenden Faden zwischen dem Neuen und dem Alten spinnt. Eine Gelegenheit, jüngere Künstler wie den amerikanischen Michael De Lucia oder den Belgier Joris Van de Moortel zu entdecken. Die klassisch moderne Sektion in der oberen Etage, gestaltet im Stil einer «Quadreria», wartet mit einer Fülle aussergewöhnlicher Werke auf, darunter ein atypischer Capogrossi, ein grossartiger Bonalumi, ein seltener Basquiat, ein wunderschöner Twombly, ein bedeutender Haring oder ein rarer Masson. Die insgesamt fünf Ausstellungsräume umfassende Werkschau, von Martine und Pierino Ghisla persönlich kuratiert, wird unter dem Titel «Zeitgenössische Einblicke» präsentiert.

Neue temporäre Ausstellung
Eine in Zusammenarbeit mit der Galerie A arte Invernizzi aus Milano kuratierte temporäre Ausstellung, die den Fokus auf Künstler der Sammlung richtet, zeigt zur Zeit zwei herausragende Kunstschaffende im Dialog: François Morellet und Grazia Varisco. Die Auswahl der Werke spiegelt meisterhaft die Parallelen, aber auch die Verschiedenheit zweier poetischer Persönlichkeiten wider. Wer die Chance hat, von Grazia Varisco selbst durch die Ausstellung geführt zu werden, erhält einen privilegierten Zugang zu ihrem lebendigen Kosmos kinetischer Kunst, in dem sich das Leichte, das Handwerkliche und das Performatives spielerisch verbinden.

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