Mit Cocktail Prolongé. F.C. Gundlach Special präsentiert die 9. Triennale der Photographie Hamburg eine ihrer sinnlichsten und publikumswirksamsten Ausstellungen. Rund 300 Arbeiten aus der Sammlung des legendären Modefotografen F. C. Gundlach kreisen um Körper, Begehren, Geschlechterrollen und Selbstinszenierung. Zu sehen sind unter anderem Werke von Robert Mapplethorpe, Cindy Sherman, Jimmy DeSana, Herb Ritts, Diane Arbus, Greg Gorman und Fergus Greer.
Cocktail Prolongé – Körper, Lust und Macht des Blicks
- Publiziert am 13. August 2026
Nackt, queer, glamourös und irritierend: Die Deichtorhallen zeigen Fotografie dort, wo Körperbilder ins Wanken geraten.
Franz Christian Gundlach (1926–2021) gehörte zu den bedeutendsten deutschen Modefotografen der Nachkriegszeit. Bekannt wurde er vor allem durch seine Arbeiten für Zeitschriften wie Constanze und Brigitte, in denen er über Jahrzehnte das Bild einer modernen, selbstbewussten Frau mitprägte. Gleichzeitig baute Gundlach eine umfangreiche Sammlung internationaler Fotografie auf. Sein besonderes Interesse galt dabei dem Menschen und seiner Inszenierung – von Mode und Glamour bis zu Körper, Rollenbildern, Erotik und gesellschaftlichen Veränderungen. Seine Sammlung bildet heute einen wichtigen Bestand der Deichtorhallen Hamburg und zeigt ein bemerkenswert offenes Interesse an queeren Körperbildern, Sexualität und alternativen Formen der Selbstinszenierung.
Der Körper im Mittelpunkt
Kaum ein Motiv ist in der Fotografie so präsent wie der menschliche Körper. Er wird inszeniert, idealisiert, verfremdet, verkleidet oder bewusst aus klassischen Schönheitsvorstellungen herausgelöst. Mit dieser Vielfalt spielt Cocktail Prolongé. Die Ausstellung zeigt, wie unterschiedlich Fotograf Körper über mehrere Jahrzehnte hinweg betrachtet haben. Mal elegant und glamourös, mal direkt, verspielt oder provokativ. Erotik ist dabei ebenso präsent wie Humor und Lust an der Inszenierung.
Von Herb Ritts bis Jimmy DeSana
Besonders unmittelbar funktionieren die Arbeiten von Herb Ritts. Sein Bild eines nackten männlichen Körpers mit einem Oktopus wirkt gleichzeitig klassisch, skulptural und erotisch. Ritts macht aus dem Körper eine antike Statue – nur dass hier Modefotografie, Körperkult und Begehren miteinander verschmelzen.
Ganz anders Jimmy DeSana. Seine Fotografien sind schräger, queerer und deutlich weniger gefällig. Körper werden verdreht, mit Alltagsgegenständen kombiniert oder in absurd-sexuelle Situationen gebracht. Arbeiten wie PANTY HOSE oder COFFEE TABLE (Foto) zeigen, mit welcher Lust DeSana Körper und Sexualität ins Absurde kippen lässt.
Queerness ohne Zurückhaltung
Besonders auffällig wird Cocktail Prolongé dort, wo traditionelle Geschlechterbilder verschwimmen oder ganz aufgelöst werden. Die Fotografien von Fergus Greer mit der Performance-Ikone Leigh Bowery treiben Selbstinszenierung ins Extrem. Körper, Kostüm, Gender und groteske Überzeichnung verschmelzen zu einer Kunstfigur, die zwischen Mode, Performance und Provokation oszilliert. Auch Robert Mapplethorpe oder Jürgen Klauke stehen für eine Fotografie, die männliche Körper, homoerotische Ästhetik und spielerische Rollenwechsel offensiv ins Bild setzt.
Eine Sammlung mit Überraschungen
Bemerkenswert ist, dass diese Arbeiten aus der Sammlung von F. C. Gundlach stammen. Der 2021 verstorbene Fotograf wurde vor allem durch elegante Modefotografie bekannt und prägte über Jahrzehnte das Bild der modernen Frau in grossen Zeitschriften. Seine private Sammlung zeigt jedoch eine deutlich breitere und teilweise überraschend experimentelle Seite seines Interesses an Fotografie. Neben Hochglanz und Mode finden sich Arbeiten aus Underground, Performance und queerer Subkultur.
Sexy, schräg und unterhaltsam
Die Ausstellung funktioniert stark über ihre unmittelbare visuelle Wirkung. Man muss keine kunsthistorische Einführung gelesen haben, um auf viele Bilder spontan zu reagieren. Manche sind wunderschön, andere komisch, manche ausgesprochen erotisch, andere bewusst schräg oder verstörend. Diese Mischung macht den Reiz der Ausstellung aus und dürfte sie zum eigentlichen Publikumsmagneten der Triennale machen.
Fazit
Cocktail Prolongé gehört zu den zugänglichsten und unterhaltsamsten Ausstellungen der 9. Triennale der Photographie Hamburg. Körper, Mode, Erotik, Queerness und Inszenierung treffen hier aufeinander und ergeben einen Parcours, der mal elegant, mal wild und mal herrlich überdreht ist.
