Ein Vogel zieht durch die Nacht, ohne dass ihn jemand bemerkt. Ein Geräusch beginnt seine Reise am Bahnhof und kommt völlig verändert an. Und ein Waldspaziergang hinterlässt plötzlich Spuren aus Wachs. Was nach drei ziemlich verrückten Ideen klingt, hat einen gemeinsamen Nenner: Unsere Umwelt ist voller Geschichten, die wir gewöhnlich übersehen oder überhören. Das Kunst- und Wissenschaftsfestival BOLSOM 2026 lädt am 21. November ins Naturfreundehaus Brünig ein, um diesen verborgenen Welten auf die Spur zu kommen. Zuschauen allein genügt dabei nicht.
BOLSOM 2026 - Was der Wald erzählt und der Himmel verschweigt
- Publiziert am 22. Oktober 2026
Ein Festival am Brünigpass macht Unsichtbares sichtbar, lässt Geräusche wandern und verwandelt einen Waldspaziergang in ein Kunstwerk.

Der Wald wird zum Kunstwerk
Hanga Séra und Oliver Krähenbühl schicken ihr Publikum in den Wald. Die Teilnehmenden essen Beeren, berühren Oberflächen und halten mit Wachsplatten natürliche Strukturen fest. Die gesammelten Spuren werden anschliessend zu einer gemeinsamen Installation zusammengefügt. Eine Arbeit zwischen Naturerfahrung, Ritual und Kunst, bei der die Grenzen zwischen Künstler:innen und Publikum verschwimmen.
Der Himmel ist voller Leben
Selbst dort, wo der Himmel vollkommen leer erscheint, herrscht reger Betrieb. Vögel und Insekten bewegen sich durch die Luft, oftmals unsichtbar für das menschliche Auge. Der Biologe und Zugvogelforscher Felix Liechti macht solche Bewegungen mithilfe von Radartechnologie erfassbar. Liliane Bürli und Bujar Berisha übersetzen seine wissenschaftlichen Daten in eine audiovisuelle Installation. Aus Flugbahnen und Flügelschlägen entstehen Bilder und Klänge. Reizvoll ist dabei die Frage, ob Kunst nicht nur wissenschaftliche Erkenntnisse veranschaulichen, sondern der Forschung ihrerseits neue Perspektiven eröffnen kann.
Stille Post über den Brünig
Eine ebenso einfache wie bestechende Idee verfolgen Miro Jurendić und Matthias Schüpbach. Sie lassen Geräusche durch die Landschaft wandern – nicht mit technischen Hilfsmitteln, sondern von Mensch zu Mensch. Ein Klang, beispielsweise vom Bahnhof Brünig-Hasliberg, wird mit der Stimme nachgeahmt und weitergegeben. Eine akustische Stille Post, bei der sich das ursprüngliche Geräusch mit jeder Station verändert. Als Inspiration dient unter anderem der traditionelle Alpsegen. Was schliesslich im Naturfreundehaus ankommt, wird zum Ausgangspunkt einer neuen Klang- und Bildarbeit. Ein Experiment über Wahrnehmung, Überlieferung und die Frage, was von einer ursprünglichen Botschaft übrig bleibt.
Raum für das Unerwartete
Ergänzt werden die drei Projekte durch einen Dialog zwischen Fotografie und Literatur von Iris Suiker und Liliane Bürli sowie musikalische Improvisationen von Nico Hirzel und Samuel Hopfengärtner. Den Auftakt gestaltet die Gastgeberfamilie von Middle of Switzerland mit einem musikalischen Willkommen. BOLSOM versteht Kunst nicht als fertiges Produkt, sondern als offenen Prozess. Das Naturfreundehaus, seine Bewohner:innen und die umliegende Landschaft werden selbst zu Mitwirkenden. Das kleine Festival bietet damit etwas, das im durchorganisierten Kulturbetrieb nicht selbstverständlich ist: Raum für Neugier, überraschende Begegnungen und Experimente, deren Ausgang noch niemand kennt.

