Während die Welt in Konflikten erstickt und im Nahen Osten die Bomben krachen, schottet sich Hollywood ab — perfekt produziert, aber ohne Biss. Die 98. Oscarverleihung im Dolby Theatre in Los Angeles wirkte wie eine Parallelveranstaltung zur Realität: makellos choreografiert, technisch souverän, emotional jedoch auffallend flach. Ein Abend ohne grosse Statements, ohne Kontroversen.
OSCARS 2026 — GLATT, BRAV, LANGWEILIG
- Publiziert am 16. März 2026
Trotz globaler Krisen inszenierte sich Hollywood als perfekt polierte, aber erstaunlich risikolose Unterhaltungsmaschine.
Weitere zentrale Auszeichnungen:
Bester Hauptdarsteller: Michael B. Jordan (SINNERS)
Beste Hauptdarstellerin: Jessie Buckley (HAMNET)
Bester internationaler Film: SENTIMENTAL VALUE (Norwegen)
Bester Dokumentarfilm: MR. NOBODY AGAINST PUTIN
Mit zahlreichen Nominierungen war SINNERS zwar einer der meistbeachteten Filme des Jahres, konnte aber nicht in allen Schlüssel-Kategorien dominieren. Immerhin mit MR. NOBODY AGAINST PUTIN, zeigt die Veranstaltung doch noch ein bisschen politische Veranstwortung.
Ein Sieger ohne Überraschung – Eine Gala ohne Haltung
Der Oscar für den Besten Film ging an ONE BATTLE AFTER ANOTHER von Paul Thomas Anderson. Der politisch grundierte Film galt bereits im Vorfeld als Favorit und gewann mehrere Hauptpreise, darunter auch Regie und adaptiertes Drehbuch. Bemerkenswert war weniger die Preisvergabe als die Atmosphäre der Veranstaltung. In einer Zeit globaler Spannungen blieb die Show auffallend unpolitisch. Moderator Conan O’Brien führte routiniert, aber ohne erinnerungswürdige Momente durch den Abend. Auch in den Dankesreden dominierten persönliche Anekdoten statt gesellschaftlicher Einordnung. Hollywood präsentierte sich als geschlossene Welt, die Konflikte draussen lässt — möglicherweise aus Angst vor Kontroversen oder Marktverlusten. Die Oscars 2026 hinterliessen den Eindruck einer Show, die niemanden verärgern wollte — und deshalb auch niemanden wirklich bewegte.
Chalamet geht leer aus — trotz Favoritenstatus
Zu den auffälligsten Nicht-Gewinnern gehörte Timothée Chalamet, der für Marty Supreme als aussichtsreicher Kandidat gehandelt wurde, letztlich jedoch ohne Auszeichnung blieb. Im Vorfeld hatte zudem eine Aussage des Schauspielers für Kritik gesorgt, wonach sich heute „niemand mehr für Ballett und Oper“ interessiere. Besonders im Kulturbereich löste dies Irritation aus. Ob diese Kontroverse Einfluss auf die Oscar-Abstimmung hatte, ist nicht belegbar und bleibt reine Spekulation — offiziell spielte sie selbstverständlich keine Rolle.
Spannendes Kino entsteht anderswo
Die Preisvergabe bestätigt einmal mehr, dass wirklich aufregendes Kino nicht zwingend dort stattfindet, wo die goldenenTrophäen verteilt werden. Oft sind es gerade die unbequemeren, riskanteren Werke, die langfristig Bedeutung gewinnen — auch wenn sie am Oscar-Abend leer ausgehen. Wer wissen will, welche Filme derzeit tatsächlich überraschen, provozieren oder berühren, findet diese in unserem E-Magazin CLICK FILM — jenseits des Hollywood-Mainstreams.
Für uns wachgeblieben und sich durch die Show gekämpft, hat sich arttv Chefredaktor Felix Schenker