MICHAEL folgt dem Weg vom Wunderkind der Jackson 5 zum grössten Popstar des 20. Jahrhunderts. Der Film zeichnet den Aufstieg des «King of Pop» nach, seine obsessive Hingabe an Musik und Tanz, aber auch den wachsenden Druck einer Öffentlichkeit, die ihn nie in Ruhe liess und für Jackson immer mehr zu einer existentiellen Bedrohung wurde. Leider eine eher seichte Anglegenheit
MICHAEL – Antoine Fuquas allzu zahmes Biopic über den King of Pop
MICHAEL | REZENSION
Für uns gesehen hat den Film Walter Gasperi
Ein Biopic ohne Schatten
Antoine Fuqua widmet sich in MICHAEL einer der schillerndsten Figuren der Popgeschichte – und entscheidet sich dabei klar für die Perspektive der Verehrung. Statt eines kritischen Porträts entsteht ein Film, der vor allem eines sein will: eine Hommage. Negative Aspekte wie Missbrauchsvorwürfe oder Medikamentensucht bleiben ausgeklammert, nicht zuletzt durch die bewusste zeitliche Begrenzung auf die Jahre 1966 bis 1988.
Der Star als Spektakel
Schon die Eröffnung setzt den Ton: Zu den ersten Klängen von „Bad“ gleitet die Kamera über ikonische Details – schwarze Schuhe, weisse Socken –, während das Kreischen der Fans anschwillt. Der Film kehrt immer wieder zu diesem Prinzip zurück: Bühne und Publikum verschmelzen zu einem kollektiven Rausch. Durch dynamischen Schnitt und choreografische Präzision wird das Kino selbst zum Konzertsaal. Jafaar Jackson überzeugt dabei mit bemerkenswerter körperlicher Präsenz. Seine Darstellung lebt weniger vom Gesang als von Bewegung – jeder Schritt, jeder Moonwalk sitzt. Die Inszenierung vermittelt eindrücklich die physische Intensität dieser Auftritte.
Die Familie als Ursprung
Im Zentrum der erzählten Geschichte steht jedoch nicht Jacksons Weltruhm, sondern die Beziehung zum Vater. Joseph Jackson erscheint als unerbittlicher Antreiber, der seine Söhne mit harter Hand zum Erfolg zwingt. Dem gegenüber steht ein sensibler, lange kindlich gezeichneter Michael, der sich erst allmählich emanzipiert. Diese Konstellation bleibt allerdings schematisch. Fuqua zeichnet klare Fronten: hier der dominante Vater, dort der verletzliche Sohn. Zwischentöne oder psychologische Tiefe bleiben rar.
Glanz ohne Brüche
Was MICHAEL konsequent vermeidet, ist jede ernsthafte Irration des Mythos. Exzentrische Vorlieben – exotische Tiere, kindliche Sammelleidenschaft – werden zwar gezeigt, aber nie hinterfragt. Auch spätere Entwicklungen wie Schönheitsoperationen oder Medikamentenabhängigkeit erscheinen höchstens am Rand. Besonders auffällig ist die Inszenierung Jacksons als Kinderfreund: Krankenhausbesuche, Autogrammstunden, wohltätige Gesten. Diese Bilder wirken wie bewusste Gegenentwürfe zu jenen Kontroversen, die der Film ausspart.
Erzählen im Zeitraffer
In episodischer Form rauscht MICHAEL durch zwei Jahrzehnte Musikgeschichte: von den Jackson Five über Motown bis zum globalen Triumph von «Thriller». Die Struktur bleibt dabei konventionell – Orts- und Zeitangaben gliedern eine Abfolge von Stationen, die selten wirklich vertieft werden. Einige Motive, etwa die wiederkehrende Bezugnahme auf Peter Pan, deuten zwar eine tiefere Lesart an, werden jedoch nicht konsequent ausgearbeitet. Vieles bleibt Oberfläche.
Fazit: Glänzend inszeniert, inhaltlich zahm
MICHAEL ist ein visuell und musikalisch eindrucksvolles Biopic, das seine Hauptfigur mit grosser Energie und Respekt inszeniert. Doch gerade diese Nähe wird zum Problem: Der Film wagt keinen kritischen Blick und vermeidet konsequent die dunkleren Kapitel. So bleibt ein Werk, das mehr feiert als hinterfragt – ein Denkmal statt einer Auseinandersetzung. Für Fans mag das genügen. Für ein wirklich aufschlussreiches Porträt des «King of Pop» hingegen fehlt der Mut zur Ambivalenz.

