Inspiriert von der realen «Maison des femmes» in Saint-Denis, einem Frauenhaus, gegründet von Ghada Hatem, nähert sich Melisa Godet einem hochsensiblen Thema mit bemerkenswerter Ruhe und Präzision – und findet dabei eine klare, unaufgeregte filmische Sprache.
LA MAISON DES FEMMES – kein lauter Film, aber ein notwendiger
- Publiziert am 1. April 2026
LA MAISON DES FEMMES | SYNOPSIS
In der MAISON DES FEMMES greifen medizinische Versorgung, Zuhören und gelebte Solidarität ineinander: Tag für Tag setzt sich ein engagiertes Team dafür ein, Frauen nach Gewalterfahrungen auf ihrem Weg zurück ins Leben zu begleiten. In diesem besonderen Schutzraum empfangen Diane, Manon, Inès, Awa und ihre Kolleginnen die Betroffenen, stehen ihnen bei, bieten eine interdisziplinäre Betreuung und helfen ihnen, neues Vertrauen in sich selbst zu entwickeln.
Gemeinsam – mit all ihren Stärken, Verletzlichkeiten und Überzeugungen, getragen von einer beinahe unerschöpflichen Energie…
LA MAISON DES FEMMES | REZENSION
Für uns gesehen hat den Film Matthieu Mathé
Ein Ort der Reparatur – und der Würde
Im Zentrum steht ein Schutz- und Behandlungsraum für Frauen, die körperliche und psychische Gewalt erfahren haben. Der Film begleitet ein rein weibliches Team, das täglich darum ringt, Verletzungen zu behandeln – medizinisch wie emotional. Dabei geht es nicht um spektakuläre Einzelfälle, sondern um eine kontinuierliche, oft unsichtbare Arbeit: zuhören, stabilisieren, auffangen. Die Inszenierung bleibt bewusst zurückhaltend. Auch darin liegt ihre Stärke. Sie verzichtet auf Überdramatisierung und lässt die Realität für sich sprechen – in Blicken, Gesten, fragmentarischen Gesprächen.
Zwischen Körper und Identität
Neben operativen Eingriffen sind es vor allem die Workshops, die dem Film seine Tiefe geben. Hier entstehen Räume, in denen sich die Frauen neu begegnen – sich selbst und einander. Tanz, Gespräch, kreative Übungen: Es sind fragile, aber entscheidende Momente, in denen sich etwas verschiebt. Der Film macht sichtbar, dass Heilung mehr ist als medizinische Versorgung. Es geht um Selbstermächtigung, um das Wiederfinden einer eigenen Stimme – und um die Möglichkeit, den eigenen Körper wieder als Teil der eigenen Identität anzunehmen.
Nüchtern erzählt, nachhaltig wirksam
Melisa Godet vertraut auf die Kraft der Reduktion. Ihre Figuren sind nie blosse Fallbeispiele, sondern vielschichtige Persönlichkeiten – manchmal widersprüchlich, oft verletzlich, immer aber von Würde getragen. Gerade die Mischung aus dokumentarischer Nähe und dramaturgischer Verdichtung verleiht dem Film eine stille Intensität. Nichts wirkt forciert, vieles bleibt angedeutet – und entfaltet dadurch eine nachhaltige Wirkung.
Fazit
LA MAISON DES FEMMES ist kein lauter Film – aber ein notwendiger. Er zeigt, wie wichtig Orte sind, an denen Frauen Schutz, Unterstützung und neue Perspektiven finden. Und er erinnert daran, dass Heilung Zeit braucht – und Gemeinschaft.

