Im Zentrum von LA GRAZIA steht ein italienischer Präsident am Ende seiner Amtszeit, eindringlich verkörpert von Toni Servillo, der mit Entscheidungen konfrontiert wird, die sich weder politisch noch moralisch eindeutig auflösen lassen.
LA GRAZIA – ein Film über Macht, Gewissen und Vergebung
- Publiziert am 5. Februar 2026
LA GRAZIA | SYNOPSIS
Mariano De Santis ist der Präsident der Italienischen Republik. Der Witwer und gläubige Katholik lebt mit seiner Tochter Dorotea zusammen, die wie er Rechtswissenschaftlerin ist. Gegen Ende seiner Amtszeit erwartet ihn eine letzte Verantwortung: die Entscheidung über zwei heikle Gnadengesuche. Diese Fälle stellen ihn vor schwerwiegende moralische Dilemmata, die eng mit seinem persönlichen Leben verwoben sind und kaum voneinander zu trennen scheinen. Während Zweifel an ihm nagen, ringt er mit den Fragen von Recht, Gerechtigkeit und Verantwortung. Am Ende steht eine Entscheidung, die das Spannungsfeld zwischen Amt und Privatleben sichtbar macht.
Zweifel statt Dekret
Paolo Sorrentino interessiert sich in LA GRAZIA weniger für institutionelle Macht als für deren innere Konsequenzen: für Zweifel, Einsamkeit und die Frage, was Gnade in einer Welt bedeutet, in der jede Entscheidung Folgen hat. Der Blick richtet sich nach innen – auf das Ringen eines Menschen, der Verantwortung trägt, ohne sich hinter dem Amt verstecken zu können. Sorrentino verschiebt den Fokus vom politischen Mechanismus zur moralischen Zumutung und macht spürbar, wie sehr Macht isoliert. Statt eines klassischen Politdramas entfaltet sich eine ruhige, philosophische Reflexion über Verantwortung – und über das Menschliche hinter dem Amt. Getragen wird der Film von der präzisen Zurückhaltung seines Protagonisten, eindringlich verkörpert von Toni Servillo, der erneut zum idealen Alter Ego von Paolo Sorrentino wird.
Paolo Sorrentino – der Poet der inneren Zustände
Paolo Sorrentino (geb. 1970 in Neapel) zählt zu den markantesten Autorenfilmern des europäischen Gegenwartskinos. International bekannt wurde er mit IL DIVO (2008) und spätestens mit dem Oscar-prämierten LA GRANDE BELLEZZA (2013). Seine Filme kreisen um Macht, Vergänglichkeit, Schönheit und Einsamkeit – erzählt in einer unverwechselbaren Bildsprache zwischen barocker Opulenz und existenzieller Melancholie. Mit LA GRAZIA wendet sich Sorrentino einer stilleren, konzentrierteren Form zu und führt seine Auseinandersetzung mit Moral, Verantwortung und dem Menschen hinter der Rolle konsequent weiter.


