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Kino | Law Abiding Citizen

F. Gary Gray schickt Gerard Butler auf einen exzessiven Rachefeldzug mit hanebüchener Handlung und zweifelhafter Moral.

Synopsis: Bei einem Raubüberfall muss Clyde Shelton (Gerard Butler) mit ansehen, wie seine Frau und seine kleine Tochter brutal getötet werden. Der Haupttäter Rupert Ames (Josh Stewart) kommt mit einer leichten Strafe davon, weil der überambitionierte schwarze Staatsanwalt Nick Rice (Jamie Foxx) seine Verurteilungsrate nicht in einer Gerichtsverhandlung aufs Spiel setzen will und lieber einen Deal mit der Verteidigung schliesst. 10 Jahre später bringt Shelton die beiden Täter auf grausamste Weise zur Strecke. Doch selbst als Shelton im Gefängnis landet, geht sein blutiger Rachefeldzug gegen die Verantwortlichen in Justiz und Politik und das gesamte System scheinbar unaufhaltbar weiter. Stars: Jamie Foxx als Staatsanwalt Nick Rice und Gerard Butler als Ex-Geheimdienstagent Clyde Shelton geben beide eine solide Performance. Die Konfrontation der beiden Hauptfiguren findet jedoch nur an der Handlungsoberfläche statt, eine tiefere Auslotung ihrer Beweggründe, Widersprüche oder Selbstzweifel gibt es nicht. Regie: Der schwarze Regisseur F. Gary Gray wuchs in Los Angeles auf und wurde Anfang der Neunziger Jahre mit zahlreichen Musikvideos für R’n‘B und Hip-Hop Stars wie Mary J. Blige, TLC, Dr. Dre oder Jay-Z bekannt. Sein Film-Debut hatte er 1995 mit der Komödie «Friday», seinen bis anhin grössten Erfolg feierte er mit «The Italian Job – Jagd auf Millionen» (2003).

art-tv-Wertung: Rachefilme sind moralisch immer eine Gratwanderung, weil sie mit den Rachegelüsten des Zuschauers spielen. Den Figuren mangelt es in «Law Abiding Citizen» zwar an psychologischer Tiefe, doch Regisseur Gary Gray versteht es, sein Publikum zu manipulieren. Eine Folterszene wird für den Zuschauer zur Tortur und im Laufe des Films verschiebt sich die Sympathie von Rachekrieger Clyde Shelton zu Staatsanwalt Rice, ohne dass man sich dessen richtig bewusst wird. Gelungen sind auch die Aussenaufnahmen, die Philadelphia in ausgewaschenen Farben zeigen. Allerdings ist schon die Ausgangslage des Films mehr als zweifelhaft. Der Fall eines weissen, gebildeten, gut situierten Ex-Geheimagenten, dem von den Mühlen der US-Justiz Unrecht getan wird, ist für die Missstände im amerikanischen Justizsystem alles andere als repräsentativ. «Law Abiding Citizen» treibt dieses Motiv noch auf die Spitze und ad absurdum. Einerseits hält der Film einige Schocker bereit, die für den Zuschauer nur schwer zu ertragen sind. Das alttestamentarische Motto «Auge um Auge, Zahn um Zahn» wird dabei deutlich übertroffen. Andererseits strapaziert die Figur Sheltons als Mischung zwischen MacGyver und James Bond, der selbst aus dem Gefängnis heraus eine ganze Stadt zu terrorisieren in der Lage ist, die Glaubwürdigkeit des Films über alle Massen. Wenigstens lockert die daraus entstehende unfreiwillige Komik den Film etwas auf. Fazit: «Law Abiding Citizen» ist eine exzessive Gewaltorgie ohne glaubhaften psychologischen oder sozialkritischen Anspruch, die wegen der absurden Handlung stellenweise unfreiwillig komisch wirkt.

Philipp Eberhard

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