Schon bevor die erste Einstellung über die Leinwand flimmert, gehört DIE BLUTGRÄFIN zu den meist erwarteten Filmen der Berlinale 2026. Die prominente Platzierung im Festivalprogramm und die Zusammenarbeit von Ulrike Ottinger mit Isabelle Huppert bündeln Erwartungen, wie sie nur selten entstehen. Alles an diesem Projekt signalisiert Ereignischarakter.
DIE BLUTGRÄFIN
- Publiziert am 31. Januar 2026
Ulrike Ottinger feiert an der Berlinale 2026 ihre Rückkehr zum Spielfilm - mit Isabelle Huppert in einer ebenso lustvollen wie monströsen Hauptrolle.
Ulrike Ottinger zählt zu den prägendsten und eigenständigsten Stimmen des europäischen Kinos. Seit den 1970er-Jahren arbeitet sie konsequent an der Schnittstelle von Film, bildender Kunst, Fotografie und Installation. Ihre frühen Spielfilme machten sie zu einer zentralen Figur des feministischen und queeren Avantgardekinos, später erweiterte sie ihr Werk um dokumentarische Langzeitbeobachtungen und ethnografisch geprägte Filmreisen. Ottingers Arbeiten zeichnen sich durch eine ausgeprägte Bildsprache, die Lust an Überzeichnung und eine klare künstlerische Haltung aus. Kino versteht sie nicht als Erzählmaschine, sondern als Raum für Wahrnehmung, Zeit und Den
Elisabeth Báthory als Ausgangspunkt
Ausgangspunkt von DIE BLUTGRÄFIN ist die historische Figur der Elisabeth Báthory, einer ungarischen Adligen aus dem frühen 17. Jahrhundert. Ihr wurde vorgeworfen, über Jahre hinweg junge Frauen aus ihrem Umfeld misshandelt und getötet zu haben. Zeitgenössische Berichte sprechen von systematischer Gewalt, Folter und Mord innerhalb ihrer Burgen. Der bis heute bekannteste – historisch nicht eindeutig belegte, aber wirkungsmächtige – Mythos besagt, sie habe im Blut ihrer Opfer gebadet, um Jugend und Schönheit zu bewahren. Sicher ist: Báthory wurde verhaftet, vor Gericht gestellt und bis zu ihrem Tod in Haft gehalten. Ob sie eine Serienmörderin war oder auch Opfer politischer Intrigen und misogyn geprägter Zuschreibungen, ist bis heute umstritten.
Mythos, Macht und Projektion
Gerade dieses Spannungsfeld zwischen historischer Überlieferung, Legendenbildung und Projektion macht den Stoff so reizvoll. Noch ist offen, wie Ulrike Ottinger diese Figur zeigen wird: als historische Täterin, als monströse Projektionsfläche oder als Spiegel gesellschaftlicher Machtverhältnisse. Wer das Werk der Regisseurin kennt, kann jedoch ziemlich sicher sein, dass sie sich weniger für einfache Antworten interessieren dürfte als für Ambivalenzen, Bilder und bewusste Überzeichnungen. Dass Isabelle Huppert die Titelrolle übernimmt, lädt die Erwartung zusätzlich auf – und macht DIE BLUTGRÄFIN schon im Vorfeld zu einem der meist erwarteten Beiträge des Festivals.
