Die Luzerner Spielleute sind seit über 90 Jahren für anspruchsvolles Amateurtheater bekannt – herausfordernd, hochwertig und leidenschaftlich. Für ihre Produktion 2026 haben sie sich einen Klassiker der Moderne vorgenommen: Max Frischs «Die Chinesische Mauer». Ein eher unbekanntes Stück eines der wichtigsten Schweizer Autoren des 20. Jahrhunderts – und wahrscheinlich sein lustigstes, lautestes und aberwitzigstes.
DIE CHINESISCHE MAUER – Max Frischs Farce über den Wahnsinn der Welt
Über das Stück
Max Frisch (1911–1991) zählt zu den prägenden Stimmen der deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts. Mit scharfem Blick und feinem Humor legt er die Widersprüche des modernen Menschen offen. Seiner «Chinesischen Mauer» gab er den Untertitel «Eine Farce» – eine spöttische, derbe Karikatur. Die Tragikomödie handelt von atomarer Bedrohung, Absolutismus und dem Rausch der Macht. Auf einer aberwitzigen Party zwischen den Zeiten begegnen sich historische und gegenwärtige Figuren: Ein chinesischer Kaiser will sich mit einer Mauer vor der Zukunft schützen, Romeo und Julia treten ebenso selbstverständlich auf wie Napoleon und Cleopatra. Ein Stummer wird zur Stimme des Volkes erklärt – und zum Tode verurteilt. Bei allem Irrsinn ist das Stück typisch Frisch: scharfsinnig, zeitlos, politisch und voller doppelter Böden.
Ein tatkräftiges Team
Max Frischs dichte Sprache und die raffinierten Doppeldeutigkeiten in «Die Chinesische Mauer» ins Schweizerdeutsche zu übertragen, ist eine Herausforderung. Béla Rothenbühler – Dramaturg, Literaturpreisträger und Autor – hat sie angenommen. Gemeinsam mit dem Luzerner Regisseur Damiàn Dlaboha bringt er eine zeitgenössische Fassung des Stücks auf die Bühne. Dlaboha hat eine eigenständige künstlerische Handschrift zwischen freier Szene und etablierten Bühnen entwickelt. Mit dem Theaterkollektiv «Fetter Vetter & Oma Hommage» realisierte er zahlreiche Produktionen, die für ihre gesellschaftliche Schärfe, formale Experimentierfreude und starke Ensemblearbeit bekannt sind. Seine Arbeiten kreisen um politische, moralische und soziale Fragen – und um Menschen, ihre Konflikte und Geschichten. Nach «Sold Out» (2024) ist «Die Chinesische Mauer» die zweite Zusammenarbeit mit den Luzerner Spielleuten. Auch die Ausstattung setzt eigene Akzente: Szenograf Jules Claude Gisler verzichtet bewusst auf ein historisches China und entwirft stattdessen eine abgeschlossene High-Society-Welt, die den illustren Figuren des Stücks gerecht wird. Für das Lichtdesign zeichnet Bruno Gisler verantwortlich.


