Eigentlich wollten Benny Andersson und Björn Ulvaeus ihre Songs nie für eine simple Nostalgie-Revue hergeben. Zum Glück kam es anders. Autorin Catherine Johnson baute aus den Originaltexten eine Geschichte, die längst selbst Popkultur geworden ist. Seit der Londoner Premiere 1999 haben mehr als 65 Millionen Menschen MAMMA MIA! gesehen. Nun kehrt das Kult-Musical im Februar 2027 nach Zürich zurück.
MAMMA MIA! – ABBA-Fieber im Theater 11
- Publiziert am 2. Oktober 2026

Ein Musical, das ABBA gar nicht schreiben wollte
«MAMMA MIA ist ein Musical, von dem wir gar nicht wussten, dass wir es geschrieben haben», sagte Björn Ulvaeus einmal über den Welterfolg. Dabei waren er und Benny Andersson anfangs alles andere als begeistert von der Idee, aus den ABBA-Hits ein Musical zu bauen. Zu gross war die Gefahr einer seichten Nostalgie-Revue, in der die bekannten Songs bloss neu arrangiert und aneinandergereiht würden. Catherine Johnson fand einen anderen Weg. Sie durchforstete die Originaltexte der Songs und entwickelte daraus eine eigenständige Geschichte. Die Lieder wurden nicht nachträglich in eine Handlung gepresst, sondern bilden deren emotionales Gerüst. Daraus entstand die besondere Mischung aus Pop, Komödie und Familiengeschichte, die MAMMA MIA! seit mehr als 25 Jahren trägt. Der Erfolg ist entsprechend gewaltig: Über 65 Millionen Zuschauer:innen haben das Musical weltweit gesehen, in zahlreichen Produktionen und Sprachen. Kaum ein anderes Bühnenmusical hat sich derart schnell von London aus über den Globus verbreitet.
Drei Männer, eine Hochzeit, viel Chaos
Die Geschichte ist schnell erzählt, ohne allzu viel zu verraten. Donna lebt mit ihrer 20-jährigen Tochter Sophie auf einer griechischen Insel. Kurz vor ihrer Hochzeit will Sophie endlich herausfinden, wer ihr leiblicher Vater ist. Drei Männer kommen infrage: Sam, Bill und Harry – allesamt frühere Bekanntschaften ihrer Mutter. Sophie lädt kurzerhand alle drei zur Hochzeit ein, ohne Donna etwas davon zu erzählen. Natürlich erscheinen sie tatsächlich. Was folgt, ist ein turbulentes Spiel mit Erinnerungen, alten Gefühlen, falschen Vermutungen und familiären Überraschungen. Hinter der Komödie steckt dabei auch eine Geschichte über Identität, Zugehörigkeit und die Frage, wie sehr die Vergangenheit das eigene Leben bestimmt.
Mehr als 50 Jahre ABBA
Die Musik trägt das alles mühelos. «Dancing Queen», «The Winner Takes It All», «Take a Chance on Me», «Money, Money, Money» oder «Mamma Mia» gehören längst zum kollektiven Popgedächtnis. Mehr als 50 Jahre nach ABBAs Sieg beim Eurovision Song Contest 1974 haben die Songs kaum etwas von ihrer Anziehungskraft verloren. 1999 feierte das Musical in London Premiere. 2008 folgte die Verfilmung mit Meryl Streep, Pierce Brosnan, Colin Firth und Amanda Seyfried, die den Stoff noch einmal einem riesigen internationalen Publikum zugänglich machte. Seither ist MAMMA MIA! weit mehr als ein Musical für eingefleischte ABBA-Fans.
Gute Laune ohne schlechtes Gewissen
Vom 16. bis 28. Februar 2027 kommt nun die englischsprachige «International Tour» zurück ins Theater 11 in Zürich. Gespielt wird mit grossem Ensemble, aufwendigen Kostümen und den bekannten Choreografien, die das Musical seit Jahren prägen. Tiefgründiges Welttheater ist MAMMA MIA! nicht – und will es auch gar nicht sein. Dafür gibt es grosse Gefühle, Tempo, Witz und 22 Songs, die kaum jemand nicht kennt. Ein Abend für Nostalgiker, Musicalfans und alle, die sich zwei Stunden lang auf eine griechische Insel verabschieden möchten. Wer danach bei «Dancing Queen» noch still auf seinem Sitz sitzt, ist vermutlich im falschen Musical gelandet.



