Pferde üben seit jeher eine besondere Faszination auf den Menschen aus. Ihre Kraft, ihre Eleganz und ihre Sensibilität machen sie zu aussergewöhnlichen Bühnenpartnern. CAVALLUNA hat daraus ein eigenes Showformat entwickelt, das Reitkunst mit Theater, Tanz und Musik verbindet. Die neue Produktion DIE FARBEN DES LEBENS setzt erneut auf eine aufwendige Inszenierung, erzählt aber auch eine Geschichte, die über die Faszination für Pferde hinausgehen will. Im Zentrum stehen die Frage, wie Angst unser Leben bestimmt, und der Mut, sich davon zu befreien.
CAVALLUNA – Pferde zwischen Reitkunst und Spektakel
Knapp 60 Pferde, internationale Reitkunst und eine Geschichte über Angst und Freiheit: DIE FARBEN DES LEBENS kommt nach Bern, Zürich und Basel.

Zwischen Reitkunst und Märchenwelt
CAVALLUNA bietet eine Rahmenhandlung: Der Hirtenjunge Arhat wächst abgeschieden in den Bergen Nordindiens auf. Seine verstorbene Mutter hinterlässt ihm einen ungewöhnlichen Auftrag: Er soll die Menschen von einem unsichtbaren Schleier des Vergessens befreien. Dieser hält sie in einem Leben aus Ablenkung und sinnloser Routine gefangen. Davon profitieren die sogenannten Händler der Angst, die mit den Unsicherheiten der Menschen ihre Geschäfte machen. Gemeinsam mit Shaneya begibt sich Arhat auf eine Reise, die ihn schliesslich ins Tal der Wahrheit führt. Die Geschichte ist als modernes Märchen angelegt, dessen Botschaft durchaus gegenwärtig ist: Wer die Menschen in Angst hält, kann sie leichter manipulieren.

Die eigentlichen Stars haben vier Beine
So ambitioniert der erzählerische Überbau sein mag: Das Herzstück von CAVALLUNA bleibt die Begegnung zwischen Mensch und Pferd. Knapp 60 Tiere sind laut Veranstalter an der Produktion beteiligt. Unterschiedliche Pferderassen und Reittraditionen treffen auf choreografierte Tanzszenen, Musik, Licht und diverse Bühnenbilder, geprägt von Zusammenspiel, Präzision und Vertrauen. Was auf der Bühne mühelos erscheint, setzt jahrelanges Training und eine enge Verständigung zwischen Mensch und Tier voraus. Gleichzeitig bleibt ein Spannungsfeld, das zu jeder grossen Tiershow gehört: Wie viel Inszenierung braucht es, um die natürliche Ausstrahlung der Pferde zur Geltung zu bringen? Und wann droht das Spektakel die eigentliche Reitkunst zu überlagern und in den Kitsch abzugleiten?

Ein Spektakel mit Anspruch
CAVALLUNA bewegt sich zwischen Familienunterhaltung, Pferdesport und Bühnentheater. Dass eine derart grosse Produktion auch auf emotionale Effekte und eine leicht verständliche Geschichte setzt, liegt in der Natur des Formats. Ob die philosophischen Motive von Angst, Freiheit und Selbstbestimmung tatsächlich erzählerische Tiefe entwickeln oder vor allem als Rahmen für die einzelnen Reitnummern dienen, wird sich erst bei den Aufführungen zeigen. Spannend dürfte die Produktion vor allem dort werden, wo sie den Pferden Raum lässt, mit ihrer eigenen Präsenz zu überzeugen. Denn die eindrücklichsten Momente einer Pferdeshow benötigen oft erstaunlich wenig Spektakel und sind dann vielleicht am schönsten, wenn nicht zu viel Zirkus und Firlefanz die Tiere überlagert.



