Schweizer Nachwuchsmusiker:innen aus allen Landesteilen treffen auf internationale Grenzgänger:innen, experimentelle Künstler:innen und eigenwillige Soundperformances. Das One of a Million Festival strotzt auch dieses Jahr vor spannenden Acts. Unsere Top 5 – eine schwere Wahl aus insgesamt 43 Acts aus 19 Ländern.
One of a Million: Eintauchen in Badens magisches Musikfestival
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fulmine | Tobendes Wettern, kaugummikauend, zerkaut, wiedergekäut, heraus als unentzifferbarer Monolog im Tessiner Dialekt: Fulmine, Figur und Soloprojekt von Rebecca Solari (Crème Solaire) schreitet voran. Durch Pop-Codes und Chaos, Spektakel und Selbstartikulation. Musik schält sich aus Klischees gesellschaftlicher Rollen, etabliert neu, anti-heroisch der Körper. Beats stolpern, graben sich durch Kompost und Sumpf, kratzen, drehen, zucken. Schleifen in slow, Spiralen im lauten Flüstern, Brennen im leisen Schreien. Zerrissen, klebrig, und die Schildkröte Bartholomeo tot in der Suppe.
07. Februar 2026 | Abendkonzerte | STANZEREI

Violeta García | Violeta García ist Cellistin, Komponistin und Klangforscherin und ergründet ihr Instrument als akustisches Labor. Auf ihrem neuestem Album «IN / OUT», aufgenommen in einem stillgelegten Wasserreservoir, wird Raum selbst zum Resonanzkörper. Präparationen, mikrotonale Stimmungen und Feedback erzeugen fragile Strukturen zwischen Kontrolle, Atempausen und Zufall. Dichte Texturen treffen auf leise Akzente, improvisierte Momente verschieben Wahrnehmung, Zeitgefühl und körperliche Präsenz. Live wächst ihr Cello zu einem organischen Rauschen, knarzt, zischt und fräst sich durch den Raum.
10. Februar 2026 | Abendkonzerte | STANZEREI

Nilipek. | Zwischen Istanbul und Berlin entwickelt die Singer-Songwriterin Nilipek. eine Musik, die wie ein feines Gleichgewicht aus Nähe und Distanz wirkt. Ihre leichte Stimme trifft auf ausholende Arrangements, die intime Beobachtungen mit filmischen Spannungsbögen erzählen. Türkische Traditionen erscheinen nicht nur als Folklore, sondern als fliessende Struktur mit unzähligen Zwischentönen, die sich mit subtilen Poplogiken verbinden. Statt Identität zu behaupten, tastet sich ihre Musik an Bruchstellen und Mehrdeutigkeiten heran und lässt Herkunft als bewegliche Figur erscheinen. Ein Klang wie ein Traum kurz vor dem Erwachen.
11. Februar 2026 | Abendkonzerte | ROYAL

Uzi Freyja | Uzi Freyja belebt. Sie belebt roh, kompromisslos und furchtlos. Mit explosiven Hip-Hop-Vocals, der Wut des Punk und elektronischen Experimenten elektrisiert die kamerunische Künstlerin jede Bühne. Ihre Musik fordert nicht um Erlaubnis, sie ergreift Raum und was entsteht, ist ein Aufruhr – ein Klangritual, das Körper und Seele in Bewegung bringt. «Je suis happy je m’en fous de ce que tu veux / Ce body transforme toutes ces pétasses en rageuses» – Zeilen, wie ein Manifest der Selbstermächtigung. Uzi Freyja verwandelt Räume in ein Beben aus Mut, Macht und Widerstand.
13. Februar 2026 | Abendkonzerte | ROYAL

Karl Kave & Julia Toggenburger | Unverfroren und klar, dann wieder verwoben und verschoben, durch Vergangenes ins Heute bis zum Irgendwann: Das Debütalbum «Blauer Planet» des Rheinthaler Musikers Carlo Rainolter (Karl Kave, Carlo Onda) und der Winterthurer Autorin Julia Toggenburger ist New New Wave – es flimmert, rauscht, pulsiert. Mit 80ies-Synthpop, Sprechgesang und Texten, die irgendwo zwischen dem Innen und Aussen nostalgisch im All umherschwirren. Manchmal düster, manchmal verspielt, immer und fast too cool. Kleine Geschichten spinnen sich ein grosses Netz, tappen in Grenzwelten, vorbei an der Nachmittagstheke.
14. Februar 2026 | Stadtkonzerte | KEGELBAHN LINDE
(Textgrundlage: One of a Million Festival)