Sie gehört zu den interessantesten Stimmen ihrer Generation. Mit ihrem neuen Roman «Unwucht» dringt Sarah Elena Müller erneut mit einer verdichteten, poetischen Sprache in widersprüchliche Erfahrungsräume vor. Stand in ihrem Debütroman «Bild ohne Mädchen» eine Kindheit voller dunkler Geheimnisse im Zentrum, erforscht sie in «Unwucht» eine turbulente vergangene Liebesbeziehung. Deren Rekonstruktion stellt für ihre Hauptfigur nicht nur das Erinnern, sondern auch ihre gegenwärtige Realität infrage.
Sarah Elena Müller erkundet die Unwucht des Erinnerns
- Publiziert am
Klappentext
Alice wartet. Sie wartet auf Rio, einen Anruf, eine Erklärung, wo er ist, mal geht sie ihn suchen, mal setzt sie sich in ihr rostiges Auto, um selbst zu verschwinden. Das Kunststudium, in dem sie sich kennengelernt haben, ist lange her, der Erfolg ausgeblieben. Rio verliert sich in kleinkriminellen Machenschaften rund um seine Drogensucht, Deal um Deal hält ihn der Stoff auf Trab. Alice jobbt als Kellnerin, klammert sich an unfertige Liebeslieder und verteidigt mit ihrem schwächelnden Fiat den letzten Rest Fassade zwischen Bruchbuden und Raves, Gefängnis und Sozialamt. Die Wende wird erst möglich, als Freundinnen einschreiten. Sieben Jahre später steht Alice vor Rios Tür, um mit ihm über damals zu reden. Sie arbeitet an einem Roman, will ihre Geschichte verstehen. Aber die Erinnerung bleibt unzuverlässig, und Rio hadert mit der Deutungsmacht der Erzählerin. Alice weicht in die Erfindung aus, doch auch dort lauern die alten Untiefen ihrer Beziehung.