Mit ihrem zweiten Roman legt die Westschweizer Autorin Myriam Wahli (*1989) ein berührendes, vielschichtiges Drama über das Erwachsenwerden in einer nahen Zukunft vor, in der Klimakrise, Ressourcenknappheit und familiäre Brüche den Alltag bestimmen. Mit feinen Beobachtungen und einer sinnlichen Sprache erzählt sie von einer jungen Frau auf der Suche nach ihrem Platz im Leben – ein Roman, der weit über eine Zukunftswarnung hinausgeht. Wahli setzt damit ihre Zusammenarbeit mit dem Verlag die brotsuppe fort, bei dem bereits ihr Debüt «Ohne Komma» in der Übersetzung von Yves Raeber erschienen ist.
Myriam Wahli schreibt über Familie, Zukunftsängste und Selbstfindung
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Myriam Wahli wurde 1989 in der Schweiz geboren. Heute lebt, schreibt und übersetzt sie in Biel. Ihr Schreiben ist untrennbar mit ihrer Lebensweise verbunden: vielschichtig, nicht linear, sinnlich. Sie betreibt wildes Gärtnern und versucht hartnäckig, ihr Leben zu einer geraden Linie zu machen, die sich jedoch immer wieder in eine Kurve verwandelt.Im verlag die brotsuppe ist bereits ihr Roman «Ohne Komma», ebenfalls übersetzt von Yves Raeber, erschienen.
Klappentext
Ein Sommer in naher Zukunft: Viel zu heiss ist es in der kleinen Ortschaft in der Westschweiz, kurz vor der französischen Grenze. Der Strom ist rationiert, Treibstoff unerschwinglich. Das Dorfleben spielt sich rund um den kleinen Kiosk beim Bahnhof ab. Um die Familie über Wasser zu halten, arbeitet Marcelle in einer Parfümfabrik. Die Mutter ist verschwunden, von ihr übrig ist nur noch die Hülle: ihr Brautkleid. In dieser wenig hoffnungsvollen Lage muss Marcelle die Ausreissversuche ihres neurodiversen Bruders Adam bewältigen, die Übergriffe ihres kranken Vaters erdulden und gleichzeitig ihren Platz im Leben finden.
Leseprobe
«Du lässt Adam in der Stadtbibliothek, Abteilung Reise und Abenteuer. Die Frische, die von den alten Bänden über die Antarktis ausgeht, hat es ihm angetan. Die Bibliothek schliesst um 17 Uhr, Adam surft im Ewigen Eis, dir bleiben also gut drei Stunden. Zum ersten Mal gibt dir ein Junge eine Chance, das kannst du dir nicht entgehen lassen. Deine Chance heisst übrigens Giacomo. Eigentlich sollte er den ganzen Sommer durch bei der Tankstelle arbeiten, doch nach zwei Wochen hat er den Job geschmissen und ist wieder zur Migros zurück. Weniger romantisch, dafür schön kühl. Bevor er ging, steckte er Laduc eine Nachricht für dich zu, die sie dir noch so gerne und ohne nachzufragen, dafür zweideutig lächelnd, in die Hand gedrückt hat. Du bist zur Brücke gerannt, hast dich am trüben Wasser hinter dem zweiten Brückenpfeiler versteckt. Ein paar Algen verfingen sich zwischen deinen Zehen und da hast du den karierten Zettel auseinandergefaltet. Hier würde dich niemand stören. Mit dem Kugelschreiber hingekritzelt Auf bald in Genf, und seine Handynummer.»