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Lesen | Das Kind meiner Mutter | Florian Burkhardt

Marcel Gislers herausragender Dokfilm «Electroboy» hat Florian Burkhardts Geschichte bekannt gemacht. In einem Buch hat der Luzerner, einst Topmodel und Internetpionier, seine Kindheit und Jugendzeit zusätzlich niedergeschrieben. «Das Kind meiner Mutter» heisst der bewegende, autobiografische Roman

Grosse Hypothek
Florian Burkhardt, geb. 1974, wächst in Luzern auf. Als frisch diplomierter Lehrer – wäre es nach ihm gegangen, hätte er die Kunsthochschule besucht – bricht er nach Amerika auf und erlangt internationalen Ruhm als Topmodel. Wieder zurück in der Schweiz, setzt er sein Leben auf der Überholspur fort. Er – dessen Individualität, Kreativität und Lebensfreude über zwei Jahrzehnte hinweg massiv zurückgebunden wurden – will mehr als Grenzen sprengen. Die Überfürsorge im streng kontrollierenden Elternhaus und die anschliessende Reizüberflutung fordern ihren Tribut. Florian Burkhardt ist 27 Jahre alt, als er an einer schweren Angststörung erkrankt und sich selbst in eine psychiatrische Klinik einweisen lässt. Heute lebt er in Bern.

Zum Buch
Bei einem spektakulären, selbst verschuldeten Autounfall verlieren Florian Burkhardts Eltern ihr jüngstes Kind. Einen Buben. Der ältere Sohn und sie selbst überleben. Absolut unversehrt. Als Ersatz für das tote Kind zeugen die Eltern, die immer schon zwei Sprösslinge haben wollten, sofort ein neues. Und von Stund an richtet die Mutter ihren ganzen Fokus und all ihre Energie auf Florian, den neugeborenen Prinzen. Aus Angst, auch ihn zu verlieren, beschützt sie Florian vor allen Einflüssen der «gefährlichen» Aussenwelt: Fahrrad fahren, Radio hören, TV schauen, Freunde besuchen und anderweitige Aussenkontakte sind verboten oder werden kontrolliert. Noch als Teenager spielt Florian ausschliesslich mit jüngeren Kindern; so kann ihn niemand zum Konsum von Drogen oder Alkohol verführen. Raum für eine eigenständige Entwicklung gibt es keinen. Die Überbehütetheit wird zum erdrückenden Gefängnis. Doch erst als die Eltern versuchen, Florians Homosexualität zu unterbinden, begehrt er auf. Inzwischen 16 Jahre alt, wird er in ein katholisches Internat gesteckt, wo er zum Primarlehrer ausgebildet wird. Nach fünf Jahren hält Florian das Lehrer-Diplom in der Hand. Und damit sein Ticket in die lange ersehnte Freiheit. Lehrer wird er nicht werden, dafür ein begehrtes Männermodell und innovativer Internetunternehmer. Bis alles zusammenbricht!

Electroboy – Der Film
Florian Burkhardts Biografie wurde von Regisseur Marcel Gisler mit der international beachteten und mehrfach preisgekrönten Kinodokumentation «Electroboy» verfilmt. Im selben Jahr, in dem der Film herauskam, begann Florian Burkhardt, die Geschichte seiner Kindheit und Jugend niederzuschreiben. «Das Kind meiner Mutter» ist sein Erstling.

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