Der diesjährige ZKB-Schillerpreis geht an den Zürcher Autor und Spoken-Word-Pionier Gerhard Meister. Ausgezeichnet wird sein jüngster Band «Cha me das therapiere» – ein Werk, das den Zeitgeist gleichzeitig zerlegt, verspottet und seziert. Die mit 20’000 Franken dotierte Auszeichnung der Schweizerische Schillerstiftung wird jährlich von der Zürcher Kantonalbank vergeben und zählt zu den wichtigsten Literaturpreisen mit Zürich-Bezug. Die Preisverleihung findet am 1. Juni 2026 im Literaturhaus Zürich statt.
Gerhard Meister gewinnt den ZKB-Schillerpreis 2026
- Publiziert am 6. Mai 2026
Zwischen Berndeutsch und Weltkrise
«Cha me das therapiere» erschien 2025 im Veralg Der gesunde Menschenversand und versammelt kurze Texte irgendwo zwischen Monolog, Satire, Poesie und sprachlicher Improvisation. Meister springt mühelos zwischen Hochdeutsch und Berndeutsch, zwischen Prosa und Versen – immer mit jener lakonischen Präzision, die sein Werk seit Jahren prägt. Die Jury hebt insbesondere hervor, wie Meister gesprochene Sprache imitiert und gleichzeitig verfremdet. Seine Figuren reden sich um Kopf und Kragen, verlieren sich in Gedankenschlaufen und offenbaren dabei eine Gesellschaft im Dauerstress: Klimaangst, Selbstoptimierung, Chemikalien im Körper, modische Überforderung und Technikgläubigkeit werden mit scharfem Humor auseinandergenommen. Diese Mischung aus Sprachwitz und existenzieller Ratlosigkeit macht Meisters Werk stark. Dem Autor gelingt etwas Seltenes: Er beschreibt die Zumutungen der Gegenwart nicht belehrend, sondern absurd komisch – und dadurch umso treffender.
Einer der prägenden Stimmen der Schweizer Spoken-Word-Szene
Geboren 1967 im Emmental, studierte Gerhard Meister Geschichte und Soziologie. Bekannt wurde er unter anderem als Teil des legendären Bühnen-Duos Geholten Stühle gemeinsam mit Andres Lutz. Bis heute prägt er die Schweizer Spoken-Word-Szene – etwa als Mitglied des Ensembles Bern ist überall oder mit dem Trio BrueckerMeisterTrauffer. Neben Theaterstücken und Hörspielen schreibt Meister Gedichte und Spoken-Word-Texte. Für sein Schaffen erhielt er bereits renommierte Auszeichnungen wie den Salzburger Stier sowie den Literaturpreis von Stadt und Kanton Bern. Heute lebt und arbeitet er als freier Autor in Zürich.
Literatur gegen die Überforderung
Der ZKB-Schillerpreis würdigt jedes Jahr Autorinnen und Autoren mit engem Bezug zum Kanton Zürich. Im Zentrum stehen Werke, die sprachlich und literarisch herausragen – und genau hier trifft Gerhard Meister einen Nerv. Denn «Cha me das therapiere» ist weit mehr als eine Sammlung skurriler Texte. Das Buch hält unserer Gegenwart einen schiefen Spiegel hin: komisch, verstörend und erstaunlich präzise. Meister zeigt, wie Sprache gleichzeitig Schutzschild, Überlebensstrategie und Stolperfalle sein kann. Oder anders gesagt: Wenn die Welt langsam aus dem Ruder läuft, gibt es kaum jemanden, der das schöner formuliert als Gerhard Meister.