«Mal hoch-, mal berndeutsch, gelegentlich in Versen, meist in Prosa, bilden die kurzen Texte in ‹Cha me das therapiere› (Der gesunde Menschenversand 2025) eine lockere Folge, aber kein zufälliges Sammelsurium. Sie gruppieren sich um eine Reihe von Schwerpunktthemen, die sie auf verblüffend vielfältige Art angehen. Der Band imitiert gesprochene Sprache und verfremdet diese gleichzeitig. Die Monologe laufen immer wieder aus dem Ruder, geraten in eine Art Leerlauf. Sie behaupten Überlegenheit und verraten Ratlosigkeit angesichts der Klimaerwärmung, der Ewigkeitschemikalien in unseren Körpern, der aktuellen Selbstoptimierungsdiktate oder des Umgangs mit in den Strudel von Moden geratenen Heranwachsenden» – Jury ZKB-Schillerpreis
Zwischen Mundart, Theater und Spokenword
Gerhard Meister schreibt für die Bühne und fürs Ohr – und steht mit seinen Texten selbst auf der Bühne. Der 1967 im Emmental geborene Autor bewegt sich zwischen Theater, Spokenword und Musik. Seine Sprache ist nah am Alltag, voller überraschender Wendungen und gedanklicher Sprünge. Aus scheinbar beiläufigen Beobachtungen entwickelt Meister absurde Situationen und einen feinsinnigen Humor, der weit über die Pointe hinausgeht. Denn hinter dem Witz steckt ein genauer Blick auf den Menschen und seine Widersprüche.
Die Welt des Gerhard Meister
In «Cha me das therapiere» (Der gesunde Menschenversand, 2025) versammelt Meister kurze Texte und Monologe: mal auf Hochdeutsch, mal auf Berndeutsch, gelegentlich in Versen, meist in Prosa. Sie kreisen um die grossen und kleinen Zumutungen der Gegenwart – um die Klimaerwärmung und Ewigkeitschemikalien im Körper, um den Selbstoptimierungsdruck und Jugendliche im Sog wechselnder Moden. Dabei führen sie an überraschende Schauplätze: in einen Zeppelin, ins Weltall und auf den Mond, zu schmelzenden Gletschern oder in eine Kläranlage. Meister greift die gesprochene Sprache auf und verfremdet sie zugleich. Seine Gedanken drehen gelegentlich Schleifen, seine Figuren reden sich um Kopf und Kragen. So wird Alltägliches zum ebenso komischen wie überraschenden Denkabenteuer.
Schillerpreis 2026
Der ZKB-Schillerpreis würdigt Autor:innen, die die Schweizer Literaturszene bereichern und prägen. In diesem Jahr geht die mit 20'000 Franken dotierte Auszeichnung an Gerhard Meister. Die Jury würdigt damit sein Buch «Cha me das therapiere» ebenso wie sein langjähriges literarisches Schaffen. Im Literaturhaus gestaltet Meister anlässlich der Auszeichnung eine Carte Blanche. Dazu lädt er Franziska Bruecker und Anna Trauffer ein, mit denen ihn eine langjährige künstlerische Zusammenarbeit verbindet. Als Kollektiv Bruecker_Meister_Trauffer bringen die drei Sprache und Musik zusammen: Bruecker mit Stimme, Synthesizer und Live-Elektronik, Trauffer mit Stimme und Kontrabass, Meister mit Texten und Posaune. So erhalten seine Texte eine zusätzliche Dimension – sie werden nicht nur gesprochen, sondern auch musikalisch interpretiert.