Conrad Ferdinand Meyer zählt neben Gottfried Keller und Jeremias Gotthelf zu den bedeutenden Schweizer Schriftstellern des 19. Jahrhunderts. Als eigenwilliger Dichter und Erzähler war er eng mit seiner Zürcher Heimat verbunden, stand der französischen Sprache und Kultur nahe, begeisterte sich für Italien und fühlte sich zugleich dem deutschen Kulturraum verbunden. Im C.-F.-Meyer-Haus in Kilchberg, seinem langjährigen Wohnsitz, kann man heute noch auf den Spuren des Schriftstellers wandeln.
C. F. MEYER-HAUS – Das Vermächtnis eines grossen Schriftstellers
Auf den Spuren eines bewegten Dichterlebens: später Ruhm, gesundheitliche Krisen und persönliche Konflikte.
Conrad Ferdinand Meyer wurde 1825 in eine Zürcher Patrizierfamilie geboren. Der frühe Tod seines Vaters und das schwierige Verhältnis zu seiner Mutter prägten seine Jugend. Halt fand er vor allem bei seiner sechs Jahre jüngeren Schwester Elisabeth Cleophea, genannt Betsy, die über viele Jahre seine engste Vertraute und intellektuelle Gesprächspartnerin blieb. Mit der Heirat von Johanna Luise Ziegler, der Tochter des Zürcher Stadtpräsidenten Eduard Ziegler, im Jahr 1875 gewann Meyer gesellschaftliches Ansehen. Die Spannungen zwischen seiner Frau und Betsy belasteten jedoch die enge Beziehung zwischen den Geschwistern. Seinen literarischen Durchbruch schaffte Meyer 1871, im Alter von 46 Jahren, mit dem Gedichtzyklus «Huttens letzte Tage». Seine Werke verbinden historische Stoffe mit menschlichen Konflikten und moralischen Fragen. Charakteristisch sind eine präzise, verdichtete Sprache und die sorgfältige Gestaltung historischer Figuren und Schauplätze.
Die letzten gut zwanzig Jahre seines Lebens verbrachte Meyer im ehemaligen Rebbauerngut «Auf Brunnen» an der Alten Landstrasse 170 in Kilchberg. Das 1785 erbaute Landhaus gelangte 1877 in seinen Besitz. Der Blick über den Zürichsee bis zu den Alpen bot ihm einen Ort für seine schriftstellerische Arbeit. Sein Arbeitszimmer ist bis heute erhalten. Bücherregale, Schreibtisch und der weitläufige Garten vermitteln einen Eindruck von seinem Lebens- und Arbeitsumfeld. Auch die Reblaube im Garten lässt sich mit seinem literarischen Werk in Verbindung bringen: In der Novelle «Der Schuss von der Kanzel» spielen die Reben in einer Schlüsselszene mit der Figur der Pfarrerstochter Rachel eine wichtige Rolle.
Meyers Leben war wiederholt von schweren psychischen Krisen und Aufenthalten in Heilanstalten geprägt. Seine letzte Erzählung, «Angela Borgia», erschien 1891. Am 28. November 1898 starb er in Kilchberg. Nach dem Tod von Meyers einziger Tochter Camilla erwarb die Gemeinde Kilchberg das Landhaus 1943. Bereits 1945 beherbergte das Erdgeschoss neben dem Dichterzimmer eine ortsgeschichtliche Sammlung, während die oberen Stockwerke über Jahrzehnte als Pfarr- und Privatwohnungen genutzt wurden. Dank der Stiftung Conrad-Ferdinand-Meyer-Haus konnte das denkmalgeschützte Gebäude 2008 so eingerichtet werden, dass es seither vollständig als Museum genutzt wird. Das Erdgeschoss ist heute der Literatur gewidmet und umfasst neben dem Bereich zu Meyer und seiner Familie auch ein Zimmer zur Familie Mann. Meyer wurde auf dem Gelände des Hauses beigesetzt. Dort befinden sich auch die Grabstätten seiner Frau und seiner Tochter. Der Grabstein seiner Schwester Betsy wurde später ebenfalls in den Garten versetzt.