Mit «Die roten Kraniche» startet die Berner Autorin eine humorvolle Krimireihe um Mira Mund. Die verwitwete Mutter zweier Kinder führt eine Cupcake-Bäckerei und hat sich nebenbei zur Privatdetektivin ausbilden lassen. Als ein verzweifelter Mann behauptet, seine Frau solle ermordet werden, übernimmt Mira ihren ersten Fall – und gerät dabei tiefer in ein gefährliches Geflecht, als ihr lieb sein kann.
Die Mutter aller Fälle
In Stefanie Christs Krimi ermittelt die junge Privatdetektivin Mira Mund zwischen Familienchaos, Cupcakes und einer gefährlichen Bikergang.
Eine Detektivin mit Stilldemenz
Eigentlich hat Mira Mund bereits genug zu tun. Die junge Witwe ist Mutter zweier Kinder, betreibt eine Cupcake-Bäckerei und versucht, ihren turbulenten Alltag samt hyperaktivem Hund und schrulliger Mutter einigermassen unter Kontrolle zu halten. Trotzdem hat sie nebenbei ein nicht ganz vertrauenerweckendes Fernstudium absolviert und darf sich nun Privatdetektivin nennen.
Dass daraus tatsächlich ein Beruf werden könnte, hätte Mira wohl selbst nicht erwartet. Doch dann steht ein verzweifelter Mann vor ihrer Tür und behauptet, seine Frau solle ermordet werden. Mira nimmt ihren ersten Fall an – oder stolpert vielmehr mitten hinein. Zwischen Federwiegen, Backaufträgen, eingetrocknetem Haferbrei und einer verbrecherischen Bikergang versucht sie herauszufinden, wie ernst die Bedrohung tatsächlich ist.
Cozy Crime trifft Mental Load
Stefanie Christ bezeichnet ihren Krimi als «Momcrime». Damit verbindet die Berner Autorin die vertrauten Elemente des humorvollen Cozy Crime mit einem Thema, das im klassischen Kriminalroman eher selten im Zentrum steht: dem permanenten organisatorischen und emotionalen Ausnahmezustand von Müttern.
Mira Mund ermittelt nicht trotz ihres Familienalltags, sondern mitten in ihm. Kinderbetreuung, Trauerarbeit, Erwerbsleben und Detektivarbeit lassen sich nicht sauber voneinander trennen. Gerade daraus entsteht der Humor des Romans. Die Ermittlerin ist keine souveräne Meisterdetektivin, sondern eine mitunter naive und improvisierende Hauptfigur, die ihren ersten Fall ebenso ernst nimmt wie die Frage, wer gerade das Baby beruhigt.
Christ fühlt sich nach eigenen Angaben besonders im englischsprachigen, humorvollen Cozy Crime zu Hause. Mit zunehmendem Alter habe sie stärker zu ihrem eigenen Humor gefunden und diesen nun bewusst in ihr Schreiben einfliessen lassen. Mira Mund soll sich in den kommenden Bänden weiterentwickeln und bei ihren Ermittlungen zunehmend Unterstützung erhalten.
Fernsehserie zwischen zwei Buchdeckeln
«Die roten Kraniche» ist auf Tempo, Dialogwitz und prägnante Figuren angelegt. Christ konzipierte die Geschichte nach eigenen Aussagen von Anfang an als eine Art Fernsehserie in Buchform. Tatsächlich bringt Mira Mund vieles mit, was auch als komödiantische Krimiserie funktionieren könnte: eine eigenwillige Hauptfigur, familiäres Chaos, Action, fortlaufende Figurenentwicklungen – und einen Cliffhanger, der Zweifel daran weckt, ob Mira am Ende tatsächlich den richtigen Fall gelöst hat.
Der erste grosse Kriminalfall wird zwar abgeschlossen, einzelne Handlungsfäden bleiben jedoch über den Band hinaus bestehen. Christ arbeitet bereits an der Fortsetzung. Die einzelnen Bücher sollen dennoch auch unabhängig voneinander verständlich bleiben.
Vom Kulturjournalismus zum Kriminalroman
Stefanie Christ wurde 1981 geboren, studierte Kunstgeschichte und Medienwissenschaft und arbeitete viele Jahre als Kulturjournalistin. Heute ist sie unter anderem in der Kommunikation des Naturhistorischen Museums Bern tätig. Seit 2004 veröffentlicht sie Belletristik, Kolumnen sowie Sach- und Kinderbücher. Bereits 2023 liess sie in ihrem Roman «Krähengesang» eine Journalistin einem Vergiftungsskandal nachgehen. Mit «Die roten Kraniche» startet sie nun ihre erste eigentliche Krimireihe.
Fazit
Mord, Mental Load und missratene Mutterideale: «Die roten Kraniche» schickt eine herrlich unperfekte Ermittlerin ins Rennen und macht aus dem alltäglichen Familienchaos den Schauplatz eines ebenso humorvollen wie temporeichen Krimis.