Silvio Blatter zählt zu den prägenden Stimmen der Schweizer Gegenwartsliteratur. Seine Erzählungen kreisen um die menschliche Existenz und schliessen auch deren Endlichkeit ein. In der Ungewissheit bilden Literatur, Kunst und Musik eine feine, strapazierfähige Form von Transzendenz. Düfte, Sehnsüchte, Träume, Enttäuschungen und Entfremdung sind die Motive dieser Texte, die ein kunstvolles Universum bilden. Darin spiegelt sich, wie fragil das Leben ist – aber auch, wie viel es auszuhalten vermag.
SILVIO BLATTER – ERZÄHLUNGEN VON NÄHE UND ENDLICHKEIT
- Publiziert am 8. September 2026
Silvio Blatter, geboren 1946 in Bremgarten an der Reuss, lebt in München und Zürich. Mit zwölf machten ihn die Romane, die seine Mutter versteckte, zum Leser. Das Schreiben kam wie selbstverständlich dazu. Literatur ist für ihn ein Medium, das uns hilft, die Welt zu verstehen. Er liebt Flüsse und Städte, wandert gern durch Strassen und Bildersäle. In Amsterdam schrieb er «Zunehmendes Heimweh» (der Roman, der ihn bekannt machte), in St. Louis war er writer-in-residence. Zurzeit ist Chicago die Stadt, die ihn inspiriert. Er wurde u.a. mit dem C.F. Meyer-Preis, dem Preis der Neuen Literarischen Gesellschaft Hamburg und Auszeichnungen von Kanton Aargau, Stadt und Kanton Zürich ausgezeichnet. Zuletzt erschien der Erzählband «Es ist sein Leben» (2024).
Wendepunkte
Ein Mann begreift nach dem Einsturz der Brücke von Genua, wie knapp er dem Tod entronnen ist. Eine junge Frau verschwindet spurlos – und der Nachbar gerät unter Verdacht. Eine Japanerin bietet sich als Mietfreundin an, ein Mädchen erfindet sich den unbekannten Vater, in einer langen Ehe schwinden die Erinnerungen, und ein Musiker lässt sich in Chicago auf eine unerwartete künstlerische Begegnung ein, während der Perfektionismus einer Frau mit einer KI-Brille seine Erfüllung zu finden scheint. In den zwölf raffiniert gewobenen Erzählungen von Silvio Blatter entstehen aus Zufällen, Koinzidenzen oder Zwangsläufigkeit existentielle Wendepunkte. (Geparden Verlag)