Die Frühlingsausstellung im Haus für Kunst Uri stellt zwei Generationen von Kunstschaffenden einander gegenüber, die in unterschiedlichen Medien arbeiten und doch verwandte Fragen bewegen: die 83-jährige Malerin Annette Barcelo und die nonbinäre Soundkünstler:in Aio Frei begegnen Mythen, Geschichten und Figuren, die uns durch Zeiten und Welten begleiten – die eine in eindringlichen Bildern, die andere in kollaborativen, forschenden Klangräumen.
Von Ritualen und Resonanzräumen: Annette Barcelo und Aio Frei im Haus für Kunst Uri
Die Arbeiten von Annette Barcelo und Aio Frei werden begleitet von ausgewählten Werken von Heinrich Danioth und seinen Weggefährt:innen, die uns noch tiefer eintauchen lassen in eine mal vertraute mal unbekannte Welt von (goldenen) Ringen, Teufeln oder Betrufen, die von den Bergen erklingen.
Ein Haus, zwei künstlerische Welten – Zwischen Fabelwesen und Hexenklängen
Zwei Generationen, zwei Ausdrucksformen – und doch ein gemeinsamer Resonanzraum zwischen Mythos, Natur und Widerstand: Annette Barcelo (1943, lebt und arbeitet in Basel) und Aio Frei (1982, lebt und arbeitet in Zürich) begegnen sich in einem Dialog, der das Haus selbst zum erzählenden Körper werden lässt.
Fabelwesen und Übergänge
Annette Barcelo hat über Jahrzehnte hinweg ein unverwechselbares Œuvre geschaffen, bevölkert von fantastischen Tieren, hybriden Gestalten und geheimnisvollen Übergangswesen. Ihre Malereien und Zeichnungen erzählen vom Zusammenleben mit fabelhaften Kreaturen, von verborgenen Wissensformen und von der Präsenz mystischer Geschichten in unserer Welt. Natur erscheint bei ihr nicht als Kulisse, sondern als durchdrungener Raum voller Zeichen, Übergänge und Passagen – als Schwelle zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem, zwischen Realität und Imagination.
Hexenklänge und Wideraneignung
Demgegenüber entwickelt Aio Frei für den Dachstock des Museums eine neue ortsspezifische Arbeit. Die kollaborative Soundinstallation speist sich aus Recherchen zu einem mystischen Urner Weltverständnis, zu den Hexenverfolgungen in der Region und zu sonischen Formen der Wideraneignung gemeinsamer ritueller Praktiken. Zu hören sind Wolfstöne – jene heulenden, flackernden oder schwebenden Klänge auf Streichinstrumenten –, Fieldrecordings unter anderem vom Galgen in Hospental, Stimmen von Steinzeug:innen, Gesänge vom Myttenmätteli sowie kodierte queere Fluch- und Bannsprüche. Der Dachstock wird so zu einem akustischen Erfahrungsraum zwischen Geschichte, Mythos und Gegenwart.
Ein vielstimmiges Kollektiv
Die Installation entsteht in Zusammenarbeit mit Lucy Railton, Suza Husse, Yara Dulac Gisler, Martian M. Mächler, Tristan Amor Rabit, Corsin Danioth und Alexandra Holenstein von Queerpoint Uri, Nikki Buzzi sowie mit einem Gedicht von CAConrad. Gemeinsam entsteht ein vielstimmiges Werk, das Vergessenes hörbar macht – und das Haus in einen vibrierenden Resonanzkörper verwandelt.
