Die Ausstellung Künstliche Kreativität widmet sich einer der drängendsten Fragen unserer Zeit: Was bedeutet Kreativität, wenn Maschinen mitgestalten und dabei der Eindruck entsteht, sie seien selbst kreativ? Vierzehn Kunstschaffende präsentieren Werke, denen die Auseinandersetzung mit der Beziehung zwischen Mensch und Maschine zugrunde liegt.
Künstliche Kreativität
Kunstschaffende
Mit Alfatih, Niculin Barandun, Botto, Terence Broad, Onome Ekeh, Emanuel Gollob, Tobias Gutmann, Holly Herndon & Mat Dryhurst, Hochschuh & Donovan, Esther Hunziker, Simone C Niquille, Theresa Reiwer, Monica Studer / Christoph van den Berg und Robi Voigt
Seit ChatGPT Ende 2022 öffentlich zugänglich wurde, ist KI im Alltag angekommen und prägt seither massgeblich die gesellschaftliche Diskussion. Kaum ein Bereich bleibt davon unberührt – weder Arbeit und Bildung noch Gesundheit, Wirtschaft oder Kultur. Überall zeichnen sich tiefgreifende Veränderungen ab, in wachsender Geschwindigkeit und mit unvorhersehbarem Ausgang. Auch die Kunst reagiert darauf unmittelbar.
In der Kunst knüpft KI an frühere Medienumbrüche von der Fotografie bis zur Digitalisierung an, verschärft deren Fragen jedoch unter neuen Vorzeichen. Auch diese Technologien wurden zunächst mit Befürchtungen aufgenommen, haben aber die künstlerische Vielfalt nicht verringert, sondern neue Ausdrucksformen begünstigt. Heute stellt KI die Kunst vor eine erneute Verschiebung ihrer Bedingungen: Wie verändert sie künstlerische Prozesse? Was heisst Autorschaft, wenn Maschinen an Bildern, Texten oder Entscheidungen beteiligt sind? Und wer trägt Verantwortung, wenn kreative Arbeiten zunehmend mit KI entstehen?
Die Ausstellung zeigt den künstlerischen Prozess mit KI als Aushandlung von Kontrolle und Kontrollverlust. Sie versammelt vierzehn Positionen, die mit generativen Bild- und Sprachmodellen arbeiten. In teilweise interaktiven Installationen begegnen die Besuchenden Bildern, Stimmen und Räumen auf neue Weise.
Drei Leitfragen strukturieren den Rundgang: Wie wird KI Teil künstlerischer Prozesse? Wie verändern KI-generierte Inhalte unsere Wahrnehmung von Wirklichkeit? Und was verändert sich, wenn KI räumlich, körperlich und sozial erfahrbar wird? Kreativität verschiebt sich dabei nicht einfach vom Menschen zur Maschine. Sie entsteht vielmehr im Zusammenspiel von Menschen, Daten, technischen Systemen und kultureller Zuschreibung.
Die Arbeiten in der Ausstellung machen sichtbar, dass Kunstschaffende KI sehr unterschiedlich einsetzen: als Werkzeug, als Teil des kreativen Prozesses oder als System, dessen Handlungsspielraum durch Daten, Regeln und Interfaces vorgeprägt ist. Damit spitzt sich die Frage nach Autorschaft und Kollaboration weiter zu. Mit KI werden die Voraussetzungen künstlerischer Produktion sichtbarer denn je: Datensätze, Regeln, Prompts und Trainingsumgebungen werden ebenso zum Gestaltungsmittel wie zum Gegenstand kritischer Befragung.
Zugleich thematisiert die Ausstellung die besondere Überzeugungskraft KI-generierter Bilder, Texte und Stimmen. Oft wirken sie glaubwürdig, selbst dann, wenn ihre Herkunft kaum überprüfbar ist. Wo Daten oder Kontext fehlen und Systeme dennoch weiterrechnen, entstehen Halluzinationen, plausible, aber unbegründete Fortsetzungen. In der Ausstellung werden sie nicht nur als Fehler erkennbar, sondern auch als künstlerisch produktive Störung.
Besonders in interaktiven Arbeiten wird spürbar, wie Handlungsmacht zwischen Menschen und technischen Systemen verteilt ist. KI hat weder Absichten noch Verständnis oder Verantwortung. Diese liegt bei den Menschen und Institutionen, die solche Systeme entwickeln, einsetzen, ausstellen und bewerten. Künstliche Kreativität verdeutlicht, wie KI die Bedingungen verändert, unter denen Kreativität entsteht, Wirklichkeit erfahren und Verantwortung getragen wird.
