Die Arbeiten der polnischen Künstlerin stehen in engem Zusammenhang mit Fragen nach weiblicher Identität, gesellschaftlichen Rollenbildern und der Stellung der Frau im öffentlichen Raum. Bereits früh thematisierte Pinińska-Bereś diese Aspekte in einer Zeit, in der feministische Kunst in Osteuropa kaum institutionelle Sichtbarkeit hatte. Die Retrospektive im Kunstmuseum Luzern versammelt Arbeiten aus allen Schaffensphasen der Künstlerin und macht ihre Kunst für das Schweizer Publikum zugänglich.
In Polen längst Pionierin, in der Schweiz eine Neuentdeckung
- Publiziert am 9. Januar 2026

Skulptur als Haltung
Maria Pinińska-Bereś entwickelte ihre künstlerische Sprache ab den 1960er-Jahren in bewusster Abgrenzung zur klassischen Skulptur. Anstelle monumentaler Formen arbeitete sie mit weichen, fragilen Materialien wie Textilien, Schaumstoff, Holz oder Papier-Maché. Ihre Werke bewegen sich zwischen Objekt, Skulptur und Raumarbeit und thematisieren körperliche Präsenz ebenso wie Verletzlichkeit, Intimität und soziale Zuschreibungen. Der Körper – gedacht, angedeutet oder performativ einbezogen – ist dabei ein zentrales Bezugssystem.

Feministische Kunst im gesellschaftlichen Kontext
Pinińska-Bereś’ Werk entstand in einem politisch und kulturell restriktiven Umfeld. Innerhalb der polnischen Nachkriegsgesellschaft setzte sie sich konsequent mit weiblicher Selbstbestimmung, normierten Rollenbildern und Machtverhältnissen auseinander. Wiederkehrende formale Elemente – darunter die bewusste Verwendung der Farbe Rosa – sind nicht dekorativ zu verstehen, sondern als Teil einer reflektierten künstlerischen Strategie. Die Arbeiten positionieren sich zwischen persönlicher Erfahrung und gesellschaftlicher Analyse und markieren einen frühen, eigenständigen Beitrag zur feministischen Kunstgeschichte in Osteuropa.
Die Retrospektive in Luzern
Das Kunstmuseum Luzern zeigt erstmals in der Schweiz eine umfassende Retrospektive von Maria Pinińska-Bereś. Präsentiert werden Skulpturen, Raumarbeiten sowie Dokumentationen performativer Arbeiten aus mehreren Jahrzehnten. Die Ausstellung ermöglicht einen kunsthistorisch fundierten Überblick über ihr Werk und ordnet dieses in einen internationalen Kontext ein. Begleitende Materialien und ein Katalog vertiefen die Auseinandersetzung mit einer Künstlerin, deren Bedeutung heute weit über Polen hinaus anerkannt ist.
