Helmhaus Zürich | Welt-Bilder 6 | Lina Scheynius

Fotografien erweitern, vertiefen und verändern das, was wir über die Welt wissen. Welche Weltbilder kommen in den Bildwelten eines Künstlers oder einer Künstlerin zum Ausdruck? Dieser Frage widmet sich die Reihe «Welt-Bilder» des Zürcher Helmhauses. Diesmal im Fokus: die Welt von Lina Scheynius.

Blick nach Innen zeigt das Aussen
Lina Scheynius erfährt die Welt, indem sie den Blick auf sich selbst richtet. Die junge Schwedin hat in sehr jungen Jahren als Model gelitten unter den Blicken all der Fotografen, die sie taxierten. Vielleicht ist deshalb ihr Bedürfnis entstanden, den eigenen Blick auf sich selbst zu richten. Ihr Körper ist der Seismograph, der die Welt empfängt. Sie begegnet sich selbst, indem sie ihren Körper absucht. Er teilt ihr mit, was sie empfindet. Und die Kamera ist die Übersetzerin.

Identität, die sich selber reflektiert
So unmittelbar diese Bilder erscheinen, sind sie doch auch über die Vermittlung eines Instruments, der Kamera, entstanden. Was war es, das die Kamera lenkte: der Kopf, der Instinkt – oder die Signale dessen (am Körper), was fotografiert wurde? Das Motiv oder die Autorin? Oder ist es gar die Kamera selbst, dieses «dritte Auge», das Bild, das hier Regie führt und sich verselbständigt? Komplex ist die Sache, weil das Motiv hier für einmal eine Einheit bildet mit der Autorin. Eine Identität. Das Motiv und die Autorin sind identisch. Die Identität reflektiert sich. Indem die Identität sich selbst dekonstruiert, konstruiert sie sich.

Das Innerste mit der Welt teilen
In dieser Arbeit wird das Intime veröffentlicht. Lina Scheynius’ Fotografie fand ihren Weg über das Internet in die Mode und erst von dort in die Kunst. Die meisten Followers seien junge Frauen. Scheynius scheint ihnen einen Weg eröffnet zu haben, sich selbst zu sehen. «Ausgerechnet sie, eine durchaus scheue Person», so stellt der Kurator Simon Maurer fest, «hat sich der Welt mitgeteilt, indem sie ihr Innerstes, das Äussere, mit der Welt teilt.»

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