Die 7. Ausgabe des internationalen Fotofestivals widmet sich der Suche nach dem Glück und verwandelt die Aargauer Städte Lenzburg und Aarau – und dieses Jahr auch Baden – in einen lebendigen Ausstellungsraum für zeitgenössische Fotografie. Unter dem Titel «Forever Happy» lädt sie dazu ein, das Glück in all seinen Facetten zu erkunden: seine flüchtigen Momente, seine gesellschaftlichen Konstruktionen und seine Widersprüche in einer von Konsum und Selbstoptimierung geprägten Welt.
Glück in all seinen Facetten: Fotofestival Lenzburg 2026
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Weitere teilnehmende Fotograf:innen
Aline d’Auria, «Nimmer, Nächstens, Oft, Einmal»
Siân Davey, «The Garden»
Mahalia Taje Giotto, «Existential Boner»
Franka Frankowska & Jakub Stanek, «To Lead, To Follow»
Rodrigo Koraicho, «Beach Epiphany»
Alba Ruiz Lafuente, «For the Leisure of Working Insects»
Yael Martínez, «Echoes of Uncertain Silence»
Anne Morgenstern, «MACHT LIEBE»
Eva O’Leary, «Happy Valley»
Antigoni Papantoni, «KAIROS»
Laura Paloma, «A Gentle Intro to Metadata / fish (day 789)»
Alice Poyzer, «Other Joys»
Juliana Gómez Quijano, «Rise with the Images»
Tina Sturzenegger, «Add to Cart»
Varvara Uhlik, «Sunshine, How Are You?»
Bringen Medikamente Glück?
Wie jedes Jahr präsentiert das Festival eine umfangreiche Ausstellung im Stapferhaus, die auf mehrjähriger Recherche basiert und das Festivalthema mit dem der aktuellen immersiven Ausstellung im Stapferhaus – Gesundheit – verbindet. So können beide Ausstellungen die Reflexion über die Beziehung der Menschen zu Körper, Krankheit und Medikamenten bereichern. Die Wahl fiel dieses Jahr auf das international anerkannte Werk «Happy Pills» des kanadisch-niederländischen Fotografen Paolo Woods und des Schweizer Journalisten Arnaud Robert. Fünf Jahre lang reisten der Fotograf Paolo Woods und der Journalist Arnaud Robert um den Globus, vom Niger bis in die USA, von der Schweiz bis in den Amazonas, auf der Suche nach «Happy Pills». Die Definition von Glück, einst Domäne der Philosophie und des Glaubens, liegt heute weitgehend in der Hand der Pharmaindustrie.
Eine Hommage an Martin Parr
Mit dem kürzlichen Tod von Martin Parr hat die Fotografie einen ihrer einflussreichsten und unverwechselbarsten Chronisten verloren. Das Fotofestival Lenzburg würdigt sein Schaffen mit der Ausstellung «(All we need is) LOVE». In dieser Serie richtete Parr seinen schonungslosen, technicolorfarbenen Blick auf eine der sentimentalsten Ideen der Menschheit. An Stränden, auf Hochzeiten, in Flitterwochen und Souvenirläden erscheint Liebe zugleich als Inszenierung, Ritual, Ware und aufrichtiger Impuls. Parrs Fotografien schwelgen in den unbeholfenen, überbordenden, zärtlichen und absurden Formen, in denen Zuneigung im öffentlichen Raum zur Schau gestellt wird: herzförmige Souvenirs, erzwungene Lächeln, intime Gesten im Moment des Misslingens festgehalten. Die Ausstellung fragt nicht danach, ob Liebe authentisch ist, sondern wie sie erlernt, gezeigt und konsumiert wird. Sie offenbart Romantik als etwas zutiefst Persönliches, das zugleich von sozialen Codes geprägt ist. Martin Parr, Mitglied der renommierten Agentur Magnum Photos und Träger zahlreicher Auszeichnungen, hat wie kaum ein anderer den Blick auf Massentourismus, Konsum und die Absurditäten des Alltags geprägt. Sein Werk bleibt ein unverzichtbarer Kommentar zu unserer Zeit.
Jury Award: Karla Hiraldo Voleau
Die französisch-schweizerische Künstlerin Karla Hiraldo Voleau erhält den Jury Award des Fotofestivals Lenzburg 2026, verliehen in Zusammenarbeit mit der Stiftung De Pietri Artphilein. In «You Can Have It All» verbindet Hiraldo Voleau Fotografie und Performance, um Körperdysmorphie, Selbstakzeptanz und das heilende Potenzial von Kunst und Freude zu erkunden. Das Projekt begann 2019 mit einem Brief an ihr fünf Jahre älteres Ich und einer Reise ans Mittelmeer, wo sie durch Selbstporträts und performative Gesten begann, ihren Körper zurückzuerobern. Fünf Jahre später setzte sie diese Arbeit fort: Nach dem Ende einer bedeutenden Beziehung wandte sie sich transformativen Ritualen zu, die oft als «Hexerei» abgetan werden, und machte sie sich als Werkzeuge feministischer Selbstermächtigung zu eigen. In der Tradition von Francesca Woodman und Ana Mendieta nutzt Hiraldo Voleau den Körper als Ort des Widerstands, der Transformation und des Erzählens. Ihre Arbeit reklamiert Freude als persönlichen und politischen Prozess, jenseits von Perfektion, in der Freiheit, vollständig und wahrhaftig zu fühlen. Die Ausstellung wird sowohl in Lenzburg als auch im Artphilein Focus in Paradiso/Lugano gezeigt und von einer Publikation in der Reihe «Artphilein Cahier» begleitet.
