Szene
www.danioth-digital.ch wird ab 2023 in sechs digitalen Räumen das Leben Heinrich Danioths erlebbar machen.

«Danioth Digital» - Sechs digitale Räume für einen bekannten, unbekannten Schweizer Künstler

Heinrich Danioth (1896-1953) war einer der ganz Grossen seiner Zeit und doch viel zu wenig bekannt, ein Projekt will das jetzt ändern.

Die Website www.danioth-digital.ch wird ab November 2023 in sechs digitalen Räumen das Leben und umfassende Werk des vielseitigen Künstlers der Öffentlichkeit niederschwellig, attraktiv und technisch ausgeklügelt zugänglich machen. Danioth ist vor allem bekannt als «Teufelsmaler» bei der Teufelsbrücke in der Schöllenenschlucht oder als Verursacher eines der schärfsten Kunststreits in der neueren Schweizer Geschichte.

Danioth-Jahr 2023 – Vielfältige Veranstaltungen
Der Launch von «Danioth Digital» (danioth-digital.ch) am 3. November 2023 bildet den Höhepunkt eines eigentlichen Urner Danioth-Jahrs. So wird sich die Frühlingsausstellung 2023 im Haus für Kunst Uri dem Urner Künstler widmen, unter anderem mit dem kürzlich wieder entdeckten Theaterstück von Heinrich Danioth «D’r Amerika-Schwizer» (Regie: Livio Beyeler). Im Dezember 2023 wird Danioths «Urner Krippenspiel» von der Marionettenbühne Gelb-Schwarz aufgeführt. Zudem wird ein digital begleiteter Danioth-Spaziergang durch Altdorf angeboten. Für das Jahr 2023 produziert die Dätwyler Stiftung einen Tischkalender mit Bildern und Zitaten von Heinrich Danioth. Der Kalender macht auf die verschiedenen Aktivitäten im Danioth-Jahr aufmerksam.

Herausragender Schweizer Künstler

Auch wenn man Heinrich Danioth heute vor allem im Kanton Uri kennt, ist er einer der herausragenden Schweizer Künstler des 20. Jahrhunderts. «Er war vielschichtig talentiert. Viele seiner Werke in Malerei, Literatur und Theater und vor allem seine Arbeiten im öffentlichen Raum sowie in der Satirezeitschrift Nebelspalter entstanden unter dem Einfluss von wichtigen Ereignissen der Zeitgeschichte und in Auseinandersetzung mit seiner Umgebung. Gerade das ist spannend für uns», betont Dr. Christine Szkiet vom Institut für Geschichtsdidaktik und Erinnerungskulturen der Pädagogischen Hochschule Luzern. Das Institut konzipiert Danioths Erzählwelt, entwickelt Userjourneys und bereitet die Inhalte mit unterschiedlichen Medien und Texten auf. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit der Dätwyler Stiftung, dem Haus für Kunst Uri sowie mit der Firma Mesch & Ugge AG, die 2015 den Film «Danioth – der Teufelsmaler» realisiert hatte.

Danioth-Geschichte in sechs digitalen Räumen

«Danioth Digital» ist weit mehr als eine Website mit Informationen über Heinrich Danioth. Mittels Computer oder Mobile-Gerät kann man durch digitale Räume navigieren und so in das Leben und Werk des vielseitigen Künstlers eintauchen. Es werden Geschichten über ihn und sein Werk erzählt, angereichert mit Abbildungen und Aufnahmen von künstlerischen Arbeiten sowie Fotos und anderen historischen Quellen. Auch kann auf der Plattform der gesamte Film «Danioth – der Teufelsmaler» gestreamt werden. Und es gibt viel zu erzählen, denn Heinrich Danioth war Maler, Zeichner, Grafiker, Karikaturist, Theater-Autor, Bühnenbildner und Dichter. Er sorgte mit seinem Werk mehrmals für Furore und stiess auch auf Kritik und Unverständnis. So löste er mit seinem 1936 entstandenen Fresko «Fundamentum» am Bundesbriefarchiv in Schwyz gar einen der schärfsten Kunststreits in der neueren Schweizer Geschichte aus. Man erfährt bei «Danioth Digital» auch viel über das regionale, nationale und internationale Geschehen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Und wie jede gute Geschichte beginnt «Danioth Digital» mit einem Anfang (Prolog) und endet mit einem Epilog. Zwischen diesen beiden Polen entwickelt sich in sechs digitalen Räumen (Erzählraum, Biografieraum, Schauraum, Aussenraum, Filmraum, Klassenraum) ein Spannungsbogen.

Für Fachpersonen und Laien

«Die Digitalisierung durchdringt alle Lebensbereiche, auch die Kultur, die Bildung und deren Vermittlung», sagt Susanne Döhnert-Dätwyler, Geschäftsführerin der Dätwyler Stiftung. «Das führt zu neuen Bedürfnissen und Erwartungen.» Aus diesem Grund habe sich die Dätwyler Stiftung entschieden, das reichhaltige Material von und über Heinrich Danioth sinnvoll digital zu verwerten. Dadurch werde auch der niederschwellige, öffentliche Zugang erleichtert. Das Online-Portal «Danioth Digital» soll über die Kantonsgrenzen hinaus ein möglichst breites Publikum ansprechen: vom kunstaffinen Publikum über Museen bis zu Schulen und Laien. «Dank der verschiedenen Vertiefungsebenen wird dies möglich», sagt Christine Szkiet.

Spezialistin für visuelles Storytelling

Das Luzerner Institut für Geschichtsdidaktik und Erinnerungskulturen hat in der jüngeren Vergangenheit vergleichbare Projekte erfolgreich entwickelt. Beispielsweise kreierte es in Zusammenarbeit mit dem Studio Docmine Productions AG eine Tablet-basierte Lernapplikation für das Bourbaki-Panorama in Luzern. Dieses wurde mit dem Worlddidac Award ausgezeichnet. Die Docmine Productions AG ist auch beim Projekt «Danioth Digital» für die technische Entwicklung und Umsetzung verantwortlich. Docmine ist ein Unternehmen, welches auf das digitale, visuelle Storytelling spezialisiert ist. Es lässt Videos, Bilder und Texte zu einer digitalen Geschichtenerzählung verschmelzen. Die in Zürich beheimatete Firma wurde 2008 gegründet und hat für Ihr Schaffen bereits über zwei Dutzend internationale Preise gewonnen, beispielsweise mehrmals den renommierten Grimme Online Award und den deutschen eBook-Award. «So fantasievoll, wie ich das Schaffen von Heinrich Danioth in diesem Projekt kennengelernt habe, bin ich überzeugt, dass er sich über die spielerische, digitale Aufbereitung seines Werks freuen würde», meint Patrick Müller, Geschäftsführer von Docmine.

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