Der Zürcher Modedesigner Julian Zigerli hat eine unverwechselbare Welt geschaffen: farbenfroh, verspielt, körperlich und zugleich technisch präzise. Seine Entwürfe bewegen sich zwischen High Fashion, Sportswear und Kunstprojekt. Nun feiert sein Label das 15-jährige Bestehen mit einer performativen Retrospektive, bei der Mode, Theater, Tanz und Musik ineinanderfliessen.
15 Jahren Julian Zigerli
Die Freiheit, anders zu sein
Schon als Kind wollte Julian Zigerli Kleidung tragen, die sich von jener der anderen unterschied. Er studierte Modedesign an der Universität der Künste Berlin und kehrte nach seinem Abschluss 2010 nach Zürich zurück. Hier gründete er sein eigenes Label und entwickelte eine Designsprache, die auffällige Drucke, technische Materialien, Komfort und Humor miteinander verbindet.
Zigerlis Mode will nicht einschüchtern. Trotz kräftiger Farben, ungewöhnlicher Silhouetten und freizügiger Inszenierungen bleiben seine Kleidungsstücke tragbar. Liebe, Farbe, Humor und eine positive Haltung gehören zu den erklärten Grundwerten des Labels. Seine Kollektionen verstehen Kleidung weniger als gesellschaftliche Uniform denn als Möglichkeit, die eigene Persönlichkeit sichtbar zu machen.
Kunst trifft auf Mode
Charakteristisch für Zigerlis Arbeit sind die regelmässigen Kooperationen mit Künstler, Fotograf und Grafiker. Für eine Kollektion arbeitete er etwa mit der deutschen Künstlerin Katharina Grosse zusammen. Dabei wurden weisse Kleidungsstücke mit grossflächigen Farbsprays bearbeitet und anschliessend in textile Drucke übersetzt. Für diese Arbeit erhielt Zigerli 2014 zum zweiten Mal einen Schweizer Designpreis. Bereits 2012 war er für seine Kollektion TO INFINITY AND BEYOND ausgezeichnet worden.
Seine Kollektionen wurden unter anderem in Berlin, London, Mailand, New York, Paris und Seoul präsentiert. Als einer der ersten Schweizer Modedesigner zeigte er seine Arbeit im Rahmen der Mailänder Modewoche – auf Einladung aus dem Umfeld von Giorgio Armani.
Eine Welt namens «Zigerliversum»
Um Julian Zigerli ist über die Jahre mehr als ein Modelabel entstanden. Das «Zigerliversum» umfasst Mode, Performances, Publikationen, Ausstellungen und Kooperationen. Grenzen zwischen Frauen- und Männermode, Alltag und Bühne, Ernst und Ironie werden bewusst durchlässig. Zigerli arbeitet selbstverständlich mit queeren Bildwelten, Körpern und Identitäten, ohne seine Mode auf eine bestimmte Zielgruppe zu beschränken.
Darin liegt seine besondere Stärke: Seine Entwürfe feiern Unterschiedlichkeit, ohne daraus eine pädagogische Botschaft zu machen. Sie sind sinnlich, zuweilen provokativ und häufig selbstironisch. Gleichzeitig steckt hinter der verspielten Oberfläche eine präzise Auseinandersetzung mit Material, Schnitt und Produktion.
15 Jahre in fünf Akten
Mit der FOREVERLI SHOW – 15 YEARS IN 5 ACTS blickt das Label am 19. September 2026 im Festsaal Albisgütli auf seine bisherige Geschichte zurück. Die Produktion verbindet Stücke aus Zigerlis umfangreichem Archiv mit Theater, Tanz, Musik und Performance. Regie führt Livio Beyeler, produziert wird die Show gemeinsam mit PIERRE Studio und dem kreativen Team des Labels.
Die Veranstaltung ist ausdrücklich nicht als klassische Modenschau konzipiert, sondern als begehbare und performative Retrospektive. Nach der rund zweistündigen Show folgt eine Party mit PHUM, GUBERNATIS und DASHA. Das unabhängige Non-Profit-Projekt wird unter anderem über den Ticketverkauf finanziert.
Mode als Lebensgefühl
Julian Zigerli gehört zu den wenigen Schweizer Modedesigner, denen es gelungen ist, eine international wahrgenommene Marke aufzubauen, ohne Zürich dauerhaft zu verlassen. Seine Heimatstadt ist nicht nur Geschäftssitz, sondern Teil seiner gestalterischen Identität: überschaubar, vertraut und zugleich offen für internationale Netzwerke.
Nach 15 Jahren wirkt Zigerlis Arbeit noch immer überraschend unangestrengt. Vielleicht liegt das daran, dass er Mode nicht primär als Statussymbol versteht, sondern als Spielraum – für Körper, Fantasie und die Freiheit, anders zu sein.
