Ob wir wollen oder nicht, es bestimmt unser Leben massgeblich mit: Geld – ein globales Phänomen, Machtinstrument und Handelsmittel. Sind wir Sklaven einer Fiktion, dient es uns oder sind wir seine Diener? Hercli Bundi, Mitglied des Schweizerischen Regieverbandes und der Filmakademie, Geschäftsführer der Zürcher Filmstiftung, Produzent und Regisseur, hat sich mit solchen Fragen in seinem Dokumentarfilm UNSER GELD intensiv beschäftigt – in der Schweiz.
UNSER GELD
UNSER GELD | SYNOPSIS
Die Menschen haben es selbst erschaffen, doch es funktioniert nur, weil sie daran glauben. Über die Jahrhunderte ist unser Finanzsystem so komplex geworden, dass selbst damit Vertraute es nur teilweise erklären können. Ein Bankräuber, ein Kryptoexperte, eine Pfarrerin und ein Ökonom der Schweizerischen Nationalbank versuchen es trotzdem.
UNSER GELD | REZENSION
Für uns gesehen hat den Film Rolf Breiner
h3.Ist Geld Glaubenssache?
Geld ist allgegenwärtig und zugleich erstaunlich abstrakt. Wir hantieren täglich damit, ohne es wirklich zu hinterfragen. Genau hier setzt Hercli Bundis Dokumentarfilm UNSER GELD an: nicht als Enthüllungsreportage, nicht als moralische Abrechnung, sondern als gedankliche Vermessung eines Systems, das unser Leben prägt wie kaum ein anderes – und das dennoch weitgehend im Verborgenen wirkt.
Bundi interessiert weniger, wie viel Geld jemand hat, sondern was Geld mit uns macht. Seine Ausgangsthese ist ebenso einfach wie verstörend: Geld funktioniert nur, weil wir daran glauben. Es ist eine kollektive Übereinkunft, ein Versprechen, eine Fiktion – und zugleich eine Macht von realer Härte.
Stimmen statt Thesen
Der Film entfaltet sich über Gespräche. Bundi sammelt Perspektiven aus unterschiedlichen Welten: aus der Hochfinanz, aus der Volkswirtschaft, aus der Theologie, aus der persönlichen Erfahrung. Ein ehemaliger Bankräuber, gefangen in Schulden; eine Bankerin, die das System von innen kennt; ein Ökonom der Nationalbank, der Stabilität verwalten muss; Philosophen und Theologen, die Geld als kulturelles und moralisches Phänomen deuten.
Gerade diese Vielstimmigkeit macht den Film stark. Bundi kommentiert kaum, bewertet nicht, er arrangiert. Die Aussagen widersprechen sich teilweise, ergänzen sich, reiben sich aneinander. UNSER GELD denkt nicht linear, sondern assoziativ – wie das System, das er beschreibt.
Geld als Religion
Besonders scharf ist der Gedanke, Geld als eine Art Weltreligion zu begreifen. Nicht im spirituellen Sinn, sondern als ordnende Macht, die Verhalten steuert, Entscheidungen erzwingt, Lebensläufe formt. Geld verspricht Sicherheit, Sinn, Freiheit – und produziert gleichzeitig Abhängigkeit, Angst und Anpassung. Dass Bundi diesen Vergleich nicht plakativ ausstellt, sondern ihn aus den Aussagen seiner Gesprächspartner heraus entstehen lässt, spricht für die intellektuelle Redlichkeit des Films. UNSER GELD will nicht überzeugen, sondern zum Denken bringen.
Ein schweizerisches Tabu
Typisch – und entlarvend – ist der schweizerische Befund: Über Geld spricht man nicht. Der Film zeigt, wie schwer es ist, selbst einfache Fragen zu Lohn, Wert und Arbeit öffentlich zu stellen. Dass Grossverteiler ihren Angestellten verbieten, über Geld zu sprechen, wird hier nicht skandalisiert, sondern nüchtern konstatiert. Gerade diese Zurückhaltung macht den Befund umso eindringlicher.
Keine Abrechnung, sondern Analyse
Wer eine Kapitalismuskritik oder eine soziale Anklage erwartet, wird enttäuscht sein – oder erleichtert. UNSER GELD ist keine Streitschrift. Opfer, Ungerechtigkeit, Alternativmodelle werden nicht ausgespielt. Bundi konzentriert sich auf das bestehende System, auf unser Geld, auf die Mechanismen, die wir täglich reproduzieren.
Diese Beschränkung ist keine Schwäche, sondern eine bewusste Entscheidung. Der Film bleibt fokussiert, offen und klug.
Fazit
UNSER GELD ist ein ruhiger, gedanklich anspruchsvoller Dokumentarfilm über ein Thema, das uns alle betrifft – und das wir dennoch lieber meiden. Hercli Bundi gelingt eine vielschichtige Annäherung an das Wesen des Geldes: als Fiktion und Machtinstrument, als Versprechen und Zwang, als gesellschaftlicher Konsens mit realen Konsequenzen.
Ein Film, der keine Antworten liefert, aber die richtigen Fragen stellt. Und der zeigt, wie sehr unser Leben von etwas bestimmt wird, das wir kaum zu benennen wagen.
UNSER GELD | WEITERE STIMMEN
«Was dient eigentlich wem? UNSER GELD von Hercli Bundi lässt uns darüber nachdenken, ob das von uns Menschen geschaffene Finanzsystem uns noch nützt oder ob wir längst zu seinen Diener:innen geworden sind.» – Solothurner filmtage | «Bei aller Tiefgründigkeit und Komplexität, die das Thema Geld mit sich bringt, erhellt Hercli Bundis Film das Thema auf sehr anschauliche Weise und schafft … auch einen Blickwinkel auf die Schönheit des Geldes und auf die Möglichkeiten, die wir damit haben, wenn wir verstehen, wie es funktioniert.» – Schweiz am Wochenende