
Ehrengast der 57. Ausgabe des Visions du Réel
Kino der Reduktion
Mit Filmen wie OLD JOY, WENDY AND LUCY, MEEK’S CUTOFF oder FIRST COW hat Kelly Reichardt eine eigene Filmsprache entwickelt: ruhig, beobachtend, zutiefst menschlich. Ihr Kino erzählt von Menschen am Rand, von Landschaften als seelischen Räumen und von gesellschaftlichen Spannungen, die sich nicht in grossen Gesten, sondern in Blicken, Pausen und Wegen durch die Natur zeigen. Ihre Figuren bewegen sich in Zwischenräumen – geografisch, sozial, emotional – und sind oft unterwegs, ohne klar zu wissen, wohin.
Leise Politik, dokumentarischer Blick
Reichardts Kino ist leise, aber politisch. Es erzählt von Klassenunterschieden, ökonomischer Unsicherheit und den Brüchen im amerikanischen Traum. In WENDY AND LUCY wird Armut erlebt, nicht erklärt; in MEEK’S CUTOFF erscheint Kolonialgeschichte als Unsicherheit; in FIRST COW wird Kapitalismus als Alltag sichtbar. Ihr Werk steht dem Dokumentarischen nahe: natürliche Lichtstimmungen, lange Einstellungen und präzise Beobachtung machen Landschaften zu Akteuren und Momente zu eigentlichen Hauptfiguren.

Läuft in Nyon: Kelly Reichardts neuster Film: THE MASTERMIND