BAD SHABBOS war der Lieblingsfilm des Publikums — nicht nur am Tribeca Film Festival, sondern auch am Cordillera International Film Festival. Dort konnte der Film zusätzlich den Grossen Preis der Jury entgegennehmen. Die US-amerikanische Independent-Komödie von Regisseur Daniel Robbins, die mit rabbinischer Logik, New-York-Neurosen und rabenschwarzem Humor spielt, bewegt sich irgendwo zwischen Woody Allen, den Coen Brothers und einer völlig entgleisten Familienfeier.
BAD SHABBOS - Wie bringt man am Schabbes eine Leiche aus dem Haus?
BAD SHABBOS – Wenn der Schabbat zur Katastrophe wird
Eine Leiche, religiöse Vorschriften und ein eskalierendes Familienessen: Daniel Robbins verwandelt den heiligen Freitagabend in eine bitterböse Gesellschaftskomödie über Identität, Tradition und kulturelle Missverständnisse. Es hätte ein harmonischer Schabbat-Abend werden sollen. Die wohlhabende jüdische Familie Gelfand versammelt sich in ihrer Upper-West-Side-Wohnung zum traditionellen Freitagabendessen — ausgerechnet jenem Moment der Woche, der Ruhe, Gemeinschaft und Besinnung gewidmet ist. Doch dann liegt plötzlich eine Leiche in der Wohnung. Und am Schabbat darf ein Leichnam bekanntlich nicht einfach bewegt werden.
Religiöse Regeln treffen auf akute Panik
Was folgt, ist eine zunehmend absurde Rettungsaktion zwischen talmudischer Auslegung, familiären Spannungen und sozialer Panik. Vater Richard glaubt die Lösung gefunden zu haben: Legt man ein Brot auf den Körper, darf dieser religiös legitimiert transportiert werden. Nur bleibt damit ein Problem bestehen — die Leiche ist zwar verschoben, aber noch lange nicht verschwunden. Währenddessen treffen die katholischen Eltern der zukünftigen Schwiegertochter ein, ein übereifriger philosemitischer Pförtner mischt sich ein, und der Abend entwickelt sich zu einem hochkomischen Crashkurs über Religion, Zugehörigkeit und liberale Selbstbilder.
Komik zwischen Glauben und gesellschaftlicher Realität
Regisseur Daniel Robbins inszeniert BAD SHABBOS als pointiertes Kammerspiel voller Dialogwitz und schwarzem Humor. Mit feinem Gespür seziert der Film soziale Rituale ebenso wie kulturelle Unsicherheiten einer urbanen jüdischen Upper-Class-Familie im heutigen New York. Zwischen Tradition und Moderne entsteht dabei eine Komödie, die ihre Figuren nie blossstellt, sondern ihre Widersprüche genüsslich offenlegt. BAD SHABBOS ist ein ebenso respektloser wie kluger Blick auf Glauben, Identität und die Frage, was passiert, wenn religiöse Regeln auf sehr menschliche Panik treffen.