Visuell erneut überwältigend, erzählerisch jedoch erstaunlich kraftlos: Avatar: Fire and Ash demonstriert James Camerons technische Meisterschaft, verliert sich dabei aber in Wiederholungen und verpasst es, seiner monumentalen Saga neue inhaltliche Dringlichkeit zu verleihen. Warum Avatar: Fire and Ash unsere Enttäuschung des Monats ist, erklärt dir Djamila Zünd.
AVATAR: FIRE AND ASH

AVATAR: FIRE AND ASH | REZENSION
Für uns gesehen hat den Film Djamila Zünd
Grosse Erwartungen
Den neuen Film von James Cameron als Flop zu bezeichnen, mag hart sein, doch Avatar: Fire and Ash hinterlässt trotz enormer Vorschusslorbeeren ein Gefühl der Ernüchterung. Beflügelt vom Enthusiasmus prominenter Stimmen – darunter Guillermo del Toro, der den Film als Höhepunkt von Camerons Saga bezeichnete – waren die Erwartungen entsprechend hoch.
Technisch überwältigend
Auf technischer Ebene bleibt Cameron weiterhin ohne ernsthafte Konkurrenz. Die visuellen Leistungen sind überwältigend, die Innovationen bei Unterwasser-Drehs beeindruckend, die Immersion der Schauspieler:innen nahezu vollständig. Als audiovisuelles Ereignis funktioniert der Film makellos, die handwerkliche Kontrolle ist unbestreitbar.
Erzählerisch ermüdend
Gerade im Kontrast zu dieser ästhetischen Wucht treten die erzählerischen Schwächen deutlich hervor. Während Avatar (2009) epischen Atem, eine fast dokumentarische Erkundung einer fremden Welt und ihres Ökosystems sowie ein klares ökologisches Anliegen verband und der zweite Teil mit einer aussergewöhnlich imaginierten Unterwasserwelt überzeugte, fehlt diesem neuen Kapitel der erzählerische Zug. Die intensiv beworbene «Welt der Asche» bleibt erstaunlich unterbelichtet. Über dreieinviertel Stunden hinweg wiederholt Avatar: Fire and Ash im Wesentlichen Motive, die bereits in der Kommunikation im Vorfeld angelegt waren.
Flaue Figuren
Auch die Figurenzeichnung wirkt zunehmend ausgehöhlt. Jake Sully, Neytiri und ihre Kinder verlieren an Tiefe und Kontur, Nebenfiguren bleiben funktional oder austauschbar. Trotz ungebrochener visueller Pracht entsteht der Eindruck einer späten Variation – eher einer alternativen Fortführung des zweiten Teils als der konsequenten Zuspitzung eines monumentalen Epos.
Fazit
Avatar: Fire and Ash bleibt ein technisch beeindruckendes Kinoereignis, das visuell überwältigt, erzählerisch jedoch hinter seinem eigenen Anspruch zurückbleibt. Ein Film von grosser Schau, aber mit erstaunlich geringer innerer Resonanz.