Theater

Wenn einen die Tochter nach Thailand abschieben will …

Hansjörg Schertenleib erzählt in «Ein Vorhang aus Rasierklingen» eine bewegende Geschichte, die unser Verhältnis zwischen den Generationen hinterfragt

Arnolds Stunden in seiner eigenen Wohnung sind gezählt. Der 70-Jährige ist an Alzheimer erkrankt. Seine Tochter will ihm keinen Raum in ihrem Leben einräumen und hat beschlossen, ihn in ein Demenz-Heim in Thailand zu verfrachten. Enkelin Delia soll Arnold helfen, seine Sachen zu versorgen. Doch Arnold wehrt sich mit Händen und Füssen gegen seine Abschiebung.

Hansjörg Schertenleib, der in Suhr, Irland und den Frankreich lebt und arbeitet, fragt in seinem neuen Stück, was eine Gesellschaft taugt, die Versehrte und Unangepasste ausschliesst. Wer kümmert sich um wen? Welchen Stellenwert haben «die Alten»? Und was braucht es, um seinen Lebensabend in Würde verbringen zu können?

Über das Stück

Arnolds Krankheit lässt sich nicht mehr verbergen. Sein spielerischer, witziger Umgang mit Sprache verrät, wie ihm die Wirklichkeit, wie wir sie kennen, verrutscht und entgleitet. Delia ist erschrocken und fasziniert zugleich. Sie, der ihr Grossvater immer fremd war, beginnt zu erkennen, welcher Reichtum sich im gelebten Leben verbirgt. Die zarte Annäherung zwischen dem alten Mann am Ende eines langen Lebens und der jungen Frau, die am Anfang steht, fördert familiäre Abgründe und intime Geheimnisse seiner Biografie zutage, zeigt aber auch unerwartete Gemeinsamkeiten.

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