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Kartause Ittingen | Ittingen brennt – ein Volks-Theater

Warum nicht Theater? Das hat sich der Prokurator der Kartause Ittingen gedacht und die Veranstaltungspalette der Thurgauer Klosteranlage durch ein Bühnenstück erweitert. Erzählt wird darin eine Episode aus der Geschichte der Kartause – ein moderner Rückblick.

Ein Theater für die Kartause
Vor bald drei Jahren trafen sich Kurt Schmid, Prokurator der Kartause Ittingen, und Oliver Kühn, Leiter des «Theater Jetzt» mit dem Ziel, für die Kartause Ittingen ein Theaterstück zu entwickeln. Der Prokurator schlug vor, den Ittinger Sturm von 1524 zum Thema zu machen. Der Theatermann hatte anfangs seine Bedenken. Wer interessiert sich schon für das 16. Jahrhundert? Für die Reformation? Den Bildersturm? Für all diese so lange zurückliegenden Ereignisse?

Revoluzzer gestern und heute
Dann brandeten im Frühjahr 2011 die Unruhen in Nordafrika auf und etwas später die Aufstände von Jugendlichen in London. Bald folgten Krawalle in Zürich, Schlägereien von Fussball-Hooligans und Partyvolk. Und auf einmal hatte der Klostersturm des 16. Jahrhunderts eine ganz aktuelle Bedeutung, schienen in der Gegenwart ganz ähnliche gesellschaftliche Mechanismen zu wirken. Plötzlich zeigten sich offensichtliche Parallelen zwischen heute und 1524. Es gibt Aufrührer und Besonnene, Abenteuerlustige und politische Taktierer. Auf Provokation folgt nur zu oft Gegenprovokation, und plötzlich brennt im allgemeinen Tohuwabohu ein Kloster. Hinterher lässt sich kaum mehr feststellen, wer die Schuld an der Katastrophe trägt.

Ausser Kontrolle
Gleichsam im Brennpunkt des Ereignisses erzählen Oliver Kühn und sein Team die Geschichte von drei Agitatoren des Ittinger Sturms, die, angestachelt durch die Kriegsgöttin Belli, in einen Strudel von Lust und Gewalt geraten, der sich nicht mehr kontrollieren lässt. In einer Art Volks-Theater, in dem Unterhaltung und Aufklärung ganz nahe beieinander stehen, führt das Stück seinem Publikum vor Augen, wie damals wie heute die Dinge ausser Kontrolle geraten.

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