5x2 Tickets zu gewinnen | Spielfilm | La maison des femmes
- Publiziert am 24. Mai 2026
LA MAISON DES FEMMES – Kein lauter Film, aber ein notwendiger
Mélisa Godets Drama über Gewalt, Solidarität und die Kraft gemeinsamer Heilung
Inspiriert vom realen «Maison des femmes» in Saint-Denis, einem von Ghada Hatem-Gantzer gegründeten Frauenhaus, nähert sich Melisa Godet einem hochsensiblen Thema mit bemerkenswerter Ruhe und Präzision – und findet dabei eine klare, unaufgeregte filmische Sprache. LA MAISON DES FEMMES ist ein äusserst sympathischer Film, respektvoll und anteilnehmend, ohne Ideologie oder Effekthascherei.
SYNOPSIS
In der MAISON DES FEMMES greifen medizinische Versorgung, Zuhören und gelebte Solidarität ineinander: Tag für Tag setzt sich ein engagiertes Team dafür ein, Frauen nach Gewalterfahrungen auf ihrem Weg zurück ins Leben zu begleiten. In diesem besonderen Schutzraum empfangen Diane, Manon, Inès, Awa und ihre Kolleginnen die Betroffenen, stehen ihnen bei, bieten eine interdisziplinäre Betreuung und helfen ihnen, neues Vertrauen in sich selbst zu entwickeln. Gemeinsam mit all ihren Stärken, Verletzlichkeiten und Überzeugungen, getragen von einer beinahe unerschöpflichen Energie …
arttv REZENSION von Madeleine Hirsiger
Gewalt hinter verschlossenen Türen
Femizide – Frauenmorde. Täglich werden weltweit unzählige Frauen von Männern ermordet, meist aus Rache oder drohendem Machtverlust. Ein ausserordentlich brutaler Fall ereignete sich kürzlich in Binningen BL: Ein Ehemann erwürgte seine Frau und zerstückelte sie, weil sie sich scheiden lassen wollte. Er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Der französische Spielfilm LA MAISON DES FEMMES widmet sich dieser hochaktuellen Thematik in allen Facetten. Inspiriert wurde die Regisseurin Mélisa Godet für ihren ersten Spielfilm von der 67-jährigen libanesischen Gynäkologin Gdhada Halem-Gantzer. Sie hat im Spital in Saint-Denis die Abteilung «Frauenhaus» ins Leben gerufen.
Ein Schutzraum für Betroffene
Es ist immer viel los im «Maison des Femmes», ein reges Kommen und Gehen von betroffenen Frauen, die von einem hoch motivierten Team, dem übrigens auch ein junger Mann angehört, befragt, behandelt und betreut werden. Es sind Frauen aus verschiedenen Kulturen und verschiedenen Alters, die körperliche und psychische Gewalt erfahren haben – viele wurden als Mädchen in ihren Heimatländern beschnitten - und die es mit grosser Überwindung geschafft haben, das Zentrum aufzusuchen. Denn dort liegt ein wunder Punkt: sich getrauen, der häuslichen Bedrohung zu entkommen und Hilfe zu suchen. Es braucht viel Mut, und man muss die Sicherheit haben, dass einem geholfen wird – medizinisch und emotional. Und das zeigt der Film eindrücklich: Es geht nicht um spektakuläre Einzelfälle, es geht um alle Aspekte, die Gewalterfahrungen zu Hause beinhalten. Es sind nicht Fallbeispiele, sondern vielschichtige persönliche Geschichten. Auch Gesprächsrunden stehen den Betroffenen zur Verfügung. Dort können die Frauen in sicheren Räumen ihre traumatischen Erlebnisse angehen. Sie merken, dass sie nicht allein sind. Heilung geht mit medizinischen Eingriffen einher – mit der Hoffnung auf Selbstfindung und Selbstvertrauen. Und mittendrin ist die junge Ärztin Inès, die sich hier die Zeit vertreiben will, bis sie dann in einer Privatklinik ihre Stelle antritt. So hat es ihre Mutter geplant – aber es sollte anders kommen.
Zwischen Spielfilm und Realität
Es ist ein schneller Film, zwischendurch fast dokumentarisch, eine gewisse Hektik ist sichtbar, vor allem auch dann, wenn ein Staatsangestellter das Gefühl hat, man müsse diese Institution wieder einmal genauer unter die Lupe nehmen. Aber die Leiterin – gespielt von Karin Viard – und all die engagierten Betreuerinnen, die alle hervorragend besetzt sind, lassen sich nicht so schnell aus dem Konzept bringen. Die Gruppe ist solidarisch und arbeitet oft über alle Massen, weil es nötig ist.
Fazit: Ein Film ohne Effekthascherei
LA MAISON DES FEMMES ist ein äusserst sympathischer Film, respektvoll und anteilnehmend, ohne Ideologie oder Effekthascherei. Man ist sehr nahe an den vielfältigen Geschichten dran, die berühren und bewusst machen, dass «Häusliche Gewalt» ein grosses Thema ist und die Dunkelziffer riesig. Und die Situation wird sich kaum verbessern, weil unsere Welt, in der wir leben, stressiger, kompetitiver und härter geworden ist und die Werte unsicherer geworden sind.