Wettbewerb
© Adelheid Hildegard Müller | Heidi Bucher, Atelieraufnahme ca. 1955

5x2 Tickets zu gewinnen | Ausstellung | Heidi Bucher - Liesl Raff - Closer | Kunst Museum Winterthur | Beim Stadthaus | Winterthur

RAUM WIRD KÖRPER

Zum 100. Geburtstag von Heidi Bucher (1926–1993) bringt das Kunst Museum Winterthur ihr Werk mit Liesl Raff (*1979) in eine sinnliche Gegenwart.

Buchers ikonische «Häutungen» sind weltberühmt. Ihre abgezogenen Latexschichten von Wänden, Böden und Türen – machten Räume lesbar, legten ihre verborgenen Geschichten frei und übersetzen Architektur in Erinnerung. Raff setzt da an und kippt die Bewegung: Sie überzieht Räume, macht sie weich, durchlässig, beinahe schützend. Aus Struktur wird Zustand, aus Distanz wird Nähe. Von Bucher sind in der Ausstellung jedoch bewusst keine Latexarbeiten zu sehen sonder frühere, kleinformatige Arbeiten. 

Zwischen Freilegen und Einhüllen
«Closer» denkt den Raum nicht als Hülle, sondern als Gegenüber. Während Heidi Bucher mit ihren Häutungen Architektur Schicht für Schicht abtrug und ihr eingeschriebenes Gedächtnis sichtbar machte, antwortet Liesl Raff mit einer gegensätzlichen Geste: Sie baut auf, polstert, verschiebt. Latex wird bei ihr nicht zur Spur, sondern zur Erfahrung – weich, dehnbar, körpernah. Daraus entsteht in der Winterthurer Ausstellung ein Spannungsfeld, das nicht aufgelöst wird. Härte trifft auf Nachgiebigkeit, Fragment auf Kontinuum. Beide Positionen vertrauen darauf, dass Material nicht nur Form trägt, sondern Bedeutung erzeugt – und dass sich Räume nicht nur sehen, sondern lesen und fühlen lassen.

Ein Ausstellungsraum, der zurückfühlt
Die Ausstellung selbst wird zur Inszenierung dieser Idee. Raff transformiert den White Cube in ein vielschichtiges Gefüge aus Stoff, Latex, Epoxid und Stahl – ein Setting, das sich dem Körper nicht entzieht, sondern ihn einbezieht. Böden reagieren, Oberflächen schimmern, Übergänge verschwimmen. Man bewegt sich nicht mehr durch Räume, sondern durch Zustände. In diese räumliche Choreografie sind Buchers frühe Arbeiten eingebettet: Zeichnungen, Seidencollagen und Frottagen, selten gezeigt und im Kunstmuseum Winterhtur bewusst aus dem Archiv gelöst. Sie erscheinen nicht als historische Referenz, sondern als lebendige Setzungen, die sich mit Raffs Eingriffen verbinden. «Closer» wird so zu einem Erfahrungsraum, in dem Nähe hergestellt wird – direkt, sinnlich und unausweichlich.

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