Klassik
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Filmemacher Bruno Moll setzte dem archaischen Brauch des Alpsegens 2012 ein filmisches Denkmal.

Mario Beretta transformiert den Alpsengen zu einem symphonischen Werk

Ein spannendes Unterfangen zwischen Tradition und Klassik, uraufgeführt durch das Orchester Camerata Cantabile

Nach seiner Begegnung mit Fredi M. Murer, für dessen Filme «Höhenfeuer», «Vollmond» oder «Vitus» Mario Beretta die Musik komponiert hat, liess das Thema «Alpsegen» den ehemaligen Chefdirigenten der Zürcher Symphoniker nicht mehr los. Am 8. November 2022 kam seine Version des «Alpsegens» mit dem Orchester Camerata Cantabile im Theater Uri und am 10. November 2022 in der Tonhalle Zürich zur Uraufführung.

Verantwortung für die Erde

Noch heute wird in vielen alpinen Regionen von den Sennen an Sommerabenden der Alpsegen ausgerufen. Ein Gebet zu Ehren Gottes, der die Alp beschützen soll. Der eindrucksvolle uralte Brauch des Alpsegens hatte schon 2012 den Schweizer Filmemacher Bruno Moll (Trailer) dazu motiviert, dieser archaischen Gebetsform ein filmisches Denkmal zu setzten. Nun ist es der Dirigent und Komponist Mario Beretta der sich von diesem Brauch dazu inspirieren liess, einen Segen für die Alp Erde zu komponieren. Berettas neustes Werk sei eine Reaktion auf das «Heute», auf die enorme, angstdominierte Verunsicherung, indem er versuche, die Sehnsucht nach den Bedingungen zu unterstützen, die eine bessere Welt möglich machen, zu vertrauen, durch musikalische Energie Kraft zu geben, diese Sehnsucht zuzulassen und so weit wie möglich umzusetzen, Verantwortung zu übernehmen für unser Land, für die ganze Erde.

Alpsegen – Der Komponist

Geboren in Grabs SG, liess sich Mario Beretta an den Konservatorien Zürich, Luzern und Warschau bei Walter Frey, Hubert Harry und Prof. Jan Ekier zum Pianisten ausbilden. Es folgten weitere Studien in Pädagogik, Komposition und Dirigieren. Von 1975 bis 1985 war er musikalischer Mitarbeiter am Schauspielhaus Zürich. Seit 1986 ist er freischaffender Komponist, Dirigent und Verfasser von erfolgreicher Bühnen- und Filmmusik. «…Komposition habe ich eigentlich am Zürcher Schauspielhaus studiert, bei meiner zehnjährigen Anstellung als “Musikalischer Mitarbeiter”. Dort habe ich gelernt, was es heisst, musik-dramaturgisch zu denken; was es heisst, im richtigen Moment die richtigen Klänge zu finden. Die logische Fortsetzung dieser Erfahrungen waren dann die Kompositionen der Musik vor allem für die Filme von Fredi M. Murer, von «Höhenfeuer» über «Vollmond» bis zu «Vitus». In jener Zeit hatte ich auch viel für mein damaliges Orchester, die Camerata Academica geschrieben und gleich auch selbst zur Aufführung gebracht. So konnte ich für mein eigenständiges kompositorisches Schaffen meinen eigenen Ton finden. Das war in den Zeiten der avantgardistischen Grabenkämpfe gar nicht so einfach: Die Moderne habe ich natürlich zur Kenntnis genommen, anerkenne ihre historische Notwendigkeit, doch bei aller Inspiration, die sie mir vermittelt hat, habe ich doch Distanz zu ihr halten müssen. Die Auflösung aller traditionellen Parameter konnte nicht mein Weg sein. So habe ich abseits des Neue-Musik- Mainstreams aber doch, wie ich meine, immer am Puls der Zeit, eine breite Palette von Werken geschrieben.» Auch als Dirigent war Mario Beretta immer wieder sehr aktiv und hat verschiedene bedeutende Orchester geleitet, u.a. die Kremerata baltica, das Orchestra della Svizzera italiana, das Odessa Symphonie Orchester und schliesslich die Zürcher Symphoniker von 2015 bis 2019 als deren Chefdirigent.

arttv Kommentar

Ein sehr schönes stimmiges Werk der Neuen Musik. Es bleibt zu hoffen, dass es zu weiteren Aufführungen kommt.

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