Das Festival da Jazz bleibt ein Gegenentwurf zu grossen Open-Air-Events: keine Massen, kein Lärm – sondern Nähe, Präzision und Atmosphäre. Im legendären Dracula Club, wo kaum 200 Gäste Platz finden, verschwindet die Distanz zwischen Künstler:innen und Publikum fast vollständig. Das macht den Reiz aus – und erklärt wohl auch, warum seit Jahren Weltstars hier auftreten, als würden sie im eigenen Wohnzimmer spielen.
Festival da Jazz St. Moritz 2026: Intimität, Weltstars und Sonnenaufgang am See
- Publiziert am 23. April 2026
Der bekannte Bündner Ferienort wird im Juli einmal mehr zur intimsten Bühne des internationalen Jazz.
Vielfältig, solange die Qualität stimmt
Das Programm 2026 setzt erneut auf diese Mischung aus Klasse und Entdeckung: Namen wie Diana Krall, Dee Dee Bridgewater, Tom Jones oder Till Brönner treffen auf kuratierte Projekte, Tribute-Abende und junge Talente aus dem JazzLab. Stilistisch bleibt, wie die Macherinnen des Festivals betonen, alles offen – von klassischem Jazz über Soul bis Pop –, solange für die Initiantinnen um Christian J. Jenny die Qualität stimmt. Diese Mischung zieht seit Jahren internationale Grössen ins Engadin – oft in Konstellationen, die man nicht oft erlebt. Viele der Künstler:innen nutzen die intime Atmosphäre bewusst für besondere Sets, überraschende Arrangements oder spontane musikalische Begegnungen abseits ihrer grossen Tourneen. Das Resultat ist dann tatsächlich auch kein Line-up zum Abhaken, sondern ein musikalischer Flow während des gesamten Festivals
Luxus neu definiert
Was das Festival endgültig besonders macht, sind seine Spielorte: Konzerte am Lej da Staz bei Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang wirken fast surreal – Jazz, der sich im Wasser spiegelt, während das Engadin langsam erwacht oder zur Ruhe kommt. Dazu kommen offene Formate auf der Hauser Terrasse oder spontane Late-Night-Sessions in der Sunny Bar, wo die Musik oft erst richtig beginnt, wenn andere längst gegangen sind. Viele dieser Momente sind frei zugänglich und bilden den bewussten Kontrast zur exklusiven Clubbühne. Gleichzeitig setzt das Festival mit Initiativen wie «Women in Jazz» und der Nachwuchsförderung klare Akzente über die Musik hinaus. Das Ergebnis ist ein Festival, das Luxus neu definiert – nicht über Grösse, sondern über Intensität.
Kurt Maloo eröffnet das Festival
Ein hypnotischer Drumbeat, eine einprägsame Klaviermelodie, ein paar luftige Saxophon-Phrasierungen und eine entspannte Bariton-Stimme waren die schlichten Zutaten für Doubles weltweiten Megahit «The Captain Of Her Heart» aus dem Jahr 1986. Der Name Double war ein Wortspiel: Das Duo aus Zürich nahm die meisten seiner Instrumentalparts selbst auf – und verdoppelte sich damit sozusagen selbst. Das Coverfoto des ersten Albums inszenierte das Duo so, dass es wie ein Quartett aussah. Quasi zum 40-jährigen Jubiläum bestreitet Kurt Maloo die Opening Night des 19. Festival da Jazz.