Coco Schwarz ist Klangkünstlerin und Musikerin mit Wurzeln in der internationalen Klassik und einem heutigen Schwerpunkt auf elektroakustischer, experimenteller und ambienter Musik. In Echoes of Extinction verbindet Schwarz künstlerische Klangarbeit mit ökologischer Forschung – und richtet das Ohr auf Tierarten, die in der Schweiz kurz vor dem Verschwinden stehen: oft unbeachtet, aber akustisch allgegenwärtig.
COCO SCHWARZ
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Klang als Spur des Verschwindens
Was bleibt, wenn Arten verschwinden? Hier beginnt die Arbeit von Coco Schwarz. In Biosphären, Schutzgebieten und Archiven werden Geräusche gesammelt, Gespräche mit Biologinnen und Ökologinnen geführt, akustische Spuren gesichert. Quaken, Rascheln, Rufe – Klänge, die im Alltag überhört werden – bilden das Ausgangsmaterial für eine elektroakustische Transformation. Dabei geht es nicht um ein naturgetreues Audio-Archiv. Echoes of Extinction versteht Klang als formbares Material: Field Recordings werden verdichtet, geschichtet, verfremdet und in dichte Klanglandschaften überführt. So entstehen akustische Räume, in denen Verlust nicht dokumentiert, sondern erfahrbar wird – körperlich, emotional, politisch.
Zwischen Forschung und Komposition
Schwarz bewegt sich bewusst zwischen Disziplinen. Die Arbeit verknüpft ökologische Klangforschung mit kompositorischen Strategien und elektronischer Bearbeitung. Wissenschaftliche Genauigkeit trifft auf künstlerische Freiheit, Beobachtung auf Interpretation. Der Klang wird zum Träger von Erinnerung – nicht nostalgisch, sondern aktiv: als Zeichen eines Prozesses, der noch nicht abgeschlossen ist. Klang ist hier nicht bloss Abbild der Natur, sondern Handlung. Ein Medium, das auf Veränderungen reagiert, sie verstärkt und zur Diskussion stellt. Echoes of Extinction schafft einen sinnlichen Raum, in dem ökologische Fragestellungen nicht erklärt, sondern hörbar gemacht werden.
Ein vielschichtiges Gesamtkunstwerk
Die Jury sprach von einem Gesamtkunstwerk aus mehreren Disziplinen und hob hervor, wie konsequent Field Recordings, Öko-Klangforschung und Elektronik mit einem gesellschaftspolitisch hoch relevanten Thema verbunden werden. Besonders gewürdigt wurde die Arbeit als vertiefende Weiterführung eines bereits wichtigen künstlerischen Schwerpunkts – klar, präzise und mit Haltung. So wird Echoes of Extinction zu einer akustischen Mahnung und zugleich zu einem Ort der Aufmerksamkeit: für das, was verschwindet – und für das, was noch gehört werden kann.