Camilla Sparksss ist das Alias der schweizerisch-kanadischen Musikerin Barbara Lehnhoff – Mitbegründerin der Indie-Band Peter Kernel und des Labels On The Camper Records. Als Live-Künstlerin ist sie bekannt für kompromisslose, energiegeladene Performances zwischen Experiment, Elektronik, Dark Wave und Punk. Lautstärke, Reibung und körperliche Überwältigung gehören zu ihrem Markenzeichen. Mit Explore Sound Frequencies for Healing schlägt Camilla Sparksss nun eine überraschende, aber konsequente Richtung ein – und kehrt die eigene Bühnenenergie bewusst um.
CAMILLA SPARKSSS
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Vom Druck zur Tiefe
Was passiert, wenn radikale Musik nicht antreibt, sondern anhält? Hier setzt das Projekt an. Statt maximaler Lautstärke und Adrenalin rücken Frequenzen, Schwingungen und ausgedehnte Klangräume ins Zentrum. Klänge sollen beruhigen, entschleunigen und eine meditative Intensität entfalten – ohne ihre Schärfe oder künstlerische Haltung zu verlieren. Camilla Sparksss untersucht, wie sich ihr bisheriger, oft konfrontativer Sound in eine Praxis übersetzen lässt, die gezielt auf körperliche und psychische Wirkung zielt. Elektronische Texturen werden gedehnt, Puls und Rhythmus verschoben, Resonanzen bewusst eingesetzt. Das Ergebnis ist keine Wellness-Ästhetik, sondern ein offenes Labor: für heilende, aber keineswegs zahme elektronische Musik.
Klang als körperliche Erfahrung
Explore Sound Frequencies for Healing versteht Klang als physische Kraft. Schwingungen wirken nicht nur auf das Ohr, sondern auf den ganzen Körper – auf Atmung, Nervensystem, Wahrnehmung. Camilla Sparksss nähert sich diesem Feld forschend, tastend, ohne fertige Antworten. Der Sound bleibt roh, die Elektronik präsent, doch die Zielrichtung verändert sich: weg von der Explosion, hin zur Verdichtung nach innen. Dabei entsteht eine neue Form von Intensität. Eine, die nicht über Lautstärke definiert ist, sondern über Aufmerksamkeit, Präsenz und Dauer. Die Bühne wird zum Resonanzraum, der Körper zum Mitspieler.
Punk, weitergedacht
Die Jury sprach von einem «Punk-Spin-off» auf hohem künstlerischem Niveau – und würdigte den grossen Leistungsausweis einer international etablierten Musikerin, die sich bewusst Zeit und Raum für Input, Forschung und Neuausrichtung nimmt. Gerade diese bewusste Verlangsamung wird als Stärke verstanden: als Möglichkeit, eine radikale musikalische Haltung in eine neue Tiefe zu führen. So markiert Explore Sound Frequencies for Healing keinen Bruch, sondern eine Weiterentwicklung. Punk bleibt Haltung – nur die Richtung der Energie verändert sich. Nach innen. Und von dort aus weiter.