Forschung statt Verwertung
Nach dem Album ist vor der nächsten Entscheidung. Dank dem Projekt «Get Going!» der SUISA FOUNDATION bekommt die Musikerin den Freiraum und die nötige monitäre Unterstützung ihre Recherchephase anzutreten. Statt sofort neue Veröffentlichungen zu planen, schafft sich Anuk Schmelcher Zeit und Raum für künstlerische Weiterentwicklung. Der Fokus liegt klar auf dem Schreiben und Produzieren neuer Musik – ohne Erwartungsdruck, ohne unmittelbare Verwertungslogik.Im Zentrum steht die Vertiefung der Arbeit mit klassischen Instrumenten wie Drums, Synthesizer, Gitarre und Bass. Parallel dazu entwickelt Schmelcher neue Ansätze im Recording und Sound Design, experimentiert mit Klangfarben, Texturen und Produktionsmethoden, um ihr musikalisches Profil weiter zu schärfen.
Das Studio als künstlerischer Ort
Die Recherchephase versteht sich als offenes Labor. Unterschiedliche Formate dürfen ausprobiert, verworfen oder weitergedacht werden. Gleichzeitig geht es um grundlegende Fragen: Wie soll das Projekt künftig zum Publikum finden? Welche Formen passen zur eigenen Haltung? Welche Arbeitsweisen tragen langfristig? Das Studio wird dabei zum zentralen Denk- und Erfahrungsraum. Klang entsteht hier nicht zufällig, sondern aus Präzision, Aufmerksamkeit und bewusster Entscheidung. Anuk Schmelchers Arbeit zeigt, wie stark musikalische Identität an Produktionsprozesse gekoppelt sein kann – und wie viel künstlerische Freiheit genau dort entsteht.
Sichtbarkeit für Produzentinnen
Die Jury lobte die berührende Musik und würdigte die hohe Qualität der Produktion, die klare künstlerische Haltung sowie den konsequenten Fokus auf die Arbeit im Studio. Besonders betont wurde die Bedeutung solcher Beiträge für Produzentinnen: Zeit, finanzielle Mittel und Sichtbarkeit sind entscheidend, um eigenständige künstlerische Positionen nachhaltig weiterzuentwickeln. Ihre Recherchephase für neue Musik ist damit kein Zwischenschritt, sondern ein bewusst gesetzter Moment der Konzentration. Ein Innehalten, das nicht bremst, sondern vorbereitet – auf Klänge, die noch nicht festgelegt sind, aber umso genauer gehört werden wollen.