Kulturgeschichte
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Rätisches Museum | Bündner Söldner - Bündner in fremden Diensten

Jahrhundertelang zogen Bündner für fremde Mächte in den Krieg, in der Hoffnung auf ein besseres Leben, auf Reichtum oder Abenteuer.

Wohin auf der Welt hat es die Söldner verschlagen, was haben sie dort erlebt und sind sie als gemachte Männer nach Hause zurückgekehrt? Die Ausstellung beleuchtet das Kriegsgeschäft aus sozialgeschichtlicher und wirtschaftlicher Perspektive. Kurator Jürg Spichiger und Gestalter Beat Stalder haben die Ausstellung, die bereits im Nidwaldner Museum zu sehen war, für Graubünden überarbeitet.

Flucht aus der Armut

Während Jahrhunderten mussten viele Bündner ihr Auskommen in der Fremde suchen. Dabei lockten vor allem die Solddienste in den Armeen von Königen in Frankreich, Holland und Italien junge Männer an. Das goldene Zeitalter der Fremden Dienste waren die Jahrhunderte zwischen den Mailänderkriegen (1515) und der Französischen Revolution bis 1792. Auch im 1803 gegründeten Kanton Graubünden waren die Militärdienste weiterhin wichtig. Wirtschaftliche Not und Hungerjahre wie 1816/17 trieben Bündner abermals in die Dienste fremder Truppen. Nach den Auflösungen der Regimenter in holländischen Diensten (1829) und in Frankreich (1830) drohte zahlreichen Bündnern die Arbeitslosigkeit. Doch viele fanden neue Engagements, zum Teil auch illegal. Gemäss Schätzungen standen bis zu 1,5 Millionen Schweizer in Fremden Diensten. Das Schicksal der einfachen Söldner blieb meist weitgehend unbekannt. Dass es aber viele an der Zahl waren, ist für Graubünden mit zahlreichen namentlichen Beispielen belegt.

Der Lockruf der Werbeagenten

Der Begriff «Werbung» kommt aus der Zeit der Reisläuferei. Vom 15. bis Mitte 19. Jahrhundert meinte das «Werben» ausschliesslich, Freiwillige für den Militärdienst bei fremden Fürsten zu beschaffen. Im 16. Jahrhundert begannen Offiziere mit einem offiziellen Werbepatent, Männer im grossen Stil für Solddienste anzuwerben. Mit «Trummeln und mit Pfyffen» zogen Anwerber von Ort zu Ort und hielten Ausschau nach kräftigen Burschen. Auf einem Platz vor dem Wirtshaus wurde der Werbetisch aufgestellt. Willigten die jungen Burschen ein, zahlten ihnen die Offiziere eine Hand Geld aus. Dieser Kostenvorschuss war mit einer Dienstverpflichtung verbunden. Doch manche Burschen vertranken und verspielten das Geld, das eigentlich auch für den kommenden Solddienst gedacht war, noch bevor sie loszogen.

Umstrittener Dienst für die Machthaber Europas

Die Fremden Dienste waren stets ein zweischneidiges Schwert. Einerseits hatten sie einen positiven Einfluss auf Kultur, Politik und Wirtschaft der heutigen Schweiz. Andererseits schufen sie Abhängigkeiten von fremden Machthabern, was zu Interessenskonflikten führte – auch noch nach dem offiziellen Verbot der Solddienste von 1859. Ein Beispiel dafür ist die Geschichte des Bündners Johann Peter Stuppa (1621–1701). Er brachte es in französischen Diensten zum hochrangigen Offizier und war gleichzeitig ein wichtiger eidgenössischer Diplomat. Familien wie die Stuppas konnten dank dem Solddienstgeschäft ein beträchtliches Vermögen anhäufen, wovon viele prunkvolle Häuser in den Bündner Tälern zeugen. Die Fremden Dienste gaben auch wichtige Impulse für den Aufbau der Bündner Milizarmee. Und sie beeinflussten andere Bereiche des gesellschaftlichen Lebens, zum Beispiel bei der Weiterentwicklung der hiesigen Blas- und Trommelmusik oder in der Ausschmückung kirchlicher Feste.

Text: Rätisches Museum

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