Kulturgeschichte
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Museum Schaffen | Stahl und Rauch

Eine eigene Ausstellung zum 100-jährige Jubiläum der Eingemeindung

Die erste Schau unter der Co- Leitung von Sibylle Gerber und Moscha Huber zeigt den Wandel der Stadt aus geschichtlicher Perspektive auf und schlägt einen Bogen zum Hier und Jetzt. Die Entstehung von Gross-Winterthur wird im Kontext von Industrialisierung und Arbeit sowie sozialen und städtebaulichen Themen beleuchtet. In sieben Kapiteln präsentiert die Ausstellung neben historischen Inhalten aktuelle Interviews mit Winterthurer:innen und lädt zum Mitmachen ein.

Das Museum Schaffen ist ein modernes historisches Museum in Winterthur und wird vom Historischen Verein Winterthur (HVW) getragen. Im Herbst 2021 haben Sibylle Gerber und Moscha Huber die Co-Leitung des Museum Schaffen übernommen. Ausgehend von der Geschichte Winterthurs rückt die Institution die Rolle der Arbeiter:innen in den Fokus und widmet sich dem Thema Arbeit in Geschichte, Gegenwart und Zukunft. Neben Ausstellungen, Veranstaltungen und Cafébetrieb kooperiert das Museum Schaffen mit verschiedenen Akteur:innen und bietet Raum für diverse Formate, darunter Workshops, Tagungen und andere Events.

Industreiboom und Stadtentwicklung

Was hat die Situation der Arbeiter:innen Anfang des 20. Jahrhunderts mit den heutigen Stadtgrenzen Winterthurs zu tun? Durch den Industrieboom und die zugezogenen Arbeiter:innen verändern sich die fünf umliegenden Dörfer rasant. Der Ausstellungsbesuch zeigt die Facetten eines 30-jährigen Kampfes um die Eingemeindung auf: den Übergang Winterthurs zur Industriestadt, die Gründung von Arbeiter:innenvereinen, die infrastrukturellen Krisen der überlasteten Gemeinden und die vehemente Ablehnung der Eingemeindung durch die bürgerliche Stadt. Im Jahr 1922 haben die Vororte erreicht, dass der Kanton Zürich Ja zur Eingemeindung sagt – damit wird Winterthur zeitweilig zur flächengrössten Stadt der Schweiz. Das Verhandeln um die Bedürfnisse einer Grossstadt beginnt. Dies beleuchtet die von Sibylle Gerber und Wanda Seiler kuratierte Ausstellung anhand historischer Ereignisse, Stadtpläne und Fotografien.

Winterthur 100 Jahre später

Fünf Personen aus den vormals eigenständigen Gemeinden, darunter ein 101-jähriger ehemaliger Redaktor aus Oberwinterthur, erzählen in Audio-
Interviews aus ihrem Leben und über ihre Stadtteile. In einer interaktiven, kollektiven Karte sammelt das Museum Schaffen Lieblingsorte, Momente des Glücks und Arbeitsorte seiner Besucher:innen. Die Ausstellung regt das Publikum dazu an, dem Wandel der Stadt bis heute nachzuspüren – auch anhand persönlicher Geschichten – und lädt es dazu ein, Erinnerungen an die Stadt zu sammeln und spielerisch über städtische Prozesse nachzudenken. Einen weiteren Baustein der Ausstellung bildet künftig die Präsentation von Ergebnissen aus dem partizipativen Projekt «Winterthurerstrasse», das die Stadt Winterthur von Mai bis September 2022 realisiert. Die Dokumentation wird zeigen, wie sich die Bewohner:innen in fünf «Stadtlaboren» mit der Vielfältigkeit und der Entwicklung Winterthurs in den letzten 100 Jahren auseinandergesetzt haben.

Urbane Partizipation

Ein reichhaltiges Programm lädt zu Gesprächen, einer Velotour und verschiedenen Führungen ein. Gemeinsam mit dem Arealverein des Lagerplatzes veranstaltet das Museum Schaffen anlässlich der Finissage einen Arealrundgang und Apéro – denn der Lagerplatz verbindet die vergangene und gegenwärtige Stadtentwicklung auf eindrückliche Weise. Das Highlight ist die Sprechstunde für Stadtmacher:innen mit dem Verein Urban Equipe. Darin teilen die Expert:innen ihr Wissen und Werkzeug rund um das Thema urbane Partizipation. Das kostenfreie Angebot richtet sich an interessierte Einzelpersonen, lose Gruppen oder engagierte Vereine, die an der Zukunft Winterthurs mitwirken wollen.

Text: Museum Schaffen

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