Kulturgeschichte
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Zwei professionelle Leiterinnen bringen frischen Wind ins Textilmuseum Neuthal.

Museum Neuthal | Textil- und Industriekultur

Ein frischer Wind weht durch die Ausstellungen. Zwei neue Leiterinnen wollen zeigen, wie Kleidung entsteht.

Die grossen Zeiten der Textilindustrie im Zürcher Oberland sind vorbei, doch manche Maschinen rattern noch. Bisher haben im Neuthal freiwillige Mitarbeiter*innen dafür gesorgt, dass die traditionelle Textilkultur nicht ganz in Vergessenheit gerät. Nun hat das Museum erstmals eine professionelle Leitung erhalten. Mit ihrer Unterstützung soll der faszinierende Industriekomplex mit all seinen Gewerken durch ein neues Ausstellungskonzept einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden.

Textil- und Industriekultur sei kein Relikt aus der Vergangenheit, sagt Museumsleiterin Nora Baur, sondern gerade in der heutigen Zeit ein spannendes Thema, das alle etwas angehe.

Museum soll nicht verstauben

Damit das Museum mit seinem reichen Fundus mehr Sichtbarkeit in der Region bekommt, kümmern sich zwei neue Leiterinnen seit November 2020 professionell um dessen Führung. Die Kunsthistorikerin Nora Baur und die Touristikfachfrau Daniela Beyeler wollen erreichen, dass das Museum den Weg in die Zukunft schafft. Moderne Ausstellungen zu Kleidung und Textilherstellung sollen das Publikum zukünftig begeistern. Sie wollen dafür sorgen, dass das Textil- und Industriemuseum im Neuthal bei Bäretswil im Zürcher Oberland doppelt so viele Besucher*innen anzieht wie bisher. In den alten Mauern der einst bedeutenden Textilfabrik stehen noch immer imposante Spinn-, Web- und Stickmaschinen aus verschiedenen Jahrzehnten. Heute werden die meisten Kleidungsstücke im Ausland gefertigt und Wissen über Herstellungsprozesse sind einem Grossteil der Bevölkerung verloren gegangen. Doch in Neuthal sind nahezu alle Produktionsschritte hautnah nachzuvollziehen: vom Rohstoff über das Garn bis zum fertigen Stoff. Hier kann man erfahren, wie und woraus Kleidung entsteht.

Von grossem Engagement getragen

Seit 1991 stellen rund 70 Freiwillige den Museumsbetrieb im Neuthal sicher. Seit 2018 sind sie im Verein NIK – Neuthal Textil- und Industriekultur organisiert. Unter ihnen finden sich viele Spezialist*innen aus dem Bereich der Textilindustrie, aber auch Personen mit grossem geschichtlichen Fachwissen oder einfach viel Begeisterung für die Pflege des Kulturgutes und die Vermittlung spannender Informationen. Innerhalb des Vereines bestehen vier Arbeitsgruppen. Die Themenschwerpunkte der Arbeitsgruppe Wasserkraft & Arbeit (früher auch AG Industrieensemble genannt) umfassen die Nutzung der Wasserkraft, die Wirtschafts- und Sozialgeschichte sowie die bauliche Entwicklung des Neuthals. Die Arbeitsgruppe Spinnerei stellt den Produktionsprozess vom Rohstoff Bauwolle zum fertigen Garn sicher. Viele Freiwillige blicken auf jahrzehntelange Berufserfahrung beim Spinnereimaschinen-Hersteller Rieter zurück. Die umfangreiche Sammlung von Webmaschinen aus der Maschinenfabrik Rüti wird von der Arbeitsgruppe Weberei betreut. Nicht wenige Freiwillige haben früher selber an der Entwicklung, am Vertrieb und der Inbetriebnahme moderner Webmaschinen mitgearbeitet. Die jüngste Arbeitsgruppe verfügt zwar über den kleinsten Maschinenpark, dafür ist sie überaus engagiert in der Produktion. Aus der Stickerei finden historische und neue Motive den Weg in den Museumsshop.

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