Kulturgeschichte
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Historisches und Völkerkundemuseum St. Gallen | Ausstellung «Stadt, Land, Fluss»

Welche Spuren hinterliessen die Römer im Raum Bodensee? Die Ausstellung «Stadt, Land, Fluss» zeigt in St. Gallen 200 Ausstellungs-Highlights.

Die Römer eroberten die Bodensee-Region um das Jahr 15 v. Chr. Die Ausstellung im Historischen und Völkerkundemuseum in St. Gallen gibt Einblicke in eine Zeit des Wohlstands, aufblühender Wirtschaft und Innovationen.

300-jährige Epoche
Die prosperierende Zeit des «römischen Bodensees» dauerte über drei Jahrhunderte und fand erst durch die räuberischen Einfälle germanischer Stämme im Laufe des 3. und 4. Jahrhunderts ihr Ende. Das regionale Zentrum bildete Bregenz mit grossem Tempelbezirk, öffentlichen Gebäuden, Wohnquartieren, Friedhöfen und Hafen. Im fruchtbaren Umland rund um den Bodensee entstanden zahlreiche Siedlungen, wie jene von Eschenz oder Schleitheim. Bewirtschaftet wurde die Region von mehr als 120 Gutshöfen.

«Roman way of life»
Innerhalb von kurzer Zeit übernahm die einheimische keltische Bevölkerung den Roman way of life. Erstmals wurde mit gebrannten Ziegeln gebaut, Gebäude wurden mit Heizungen, Badeanlangen und Abwasserleitungen ausgestattet. Die Neuerungen spiegeln sich auch auf dem Speiseplan wieder. Wer es sich leisten konnte, importierte sogar Austern aus dem Mittelmeer oder dem Atlantik. Die Amtssprache Latein wurde übernommen, aus der sich, beeinflusst von den einheimischen Dialekten, im Laufe der Jahrhunderte die rätoromanische Sprache entwickelte. Auch die Schriftlichkeit verbreitet sich. Sie war nicht nur in der römischen Verwaltung oder im Handel von Bedeutung – auch Briefe von Privatpersonen wurden verschickt oder Wünsche an die Götter.

Römer am Zürichsee
Welche Wünsche und Nöte die Menschen vor rund 1800 Jahren beschäftigten, kann durch die Objekte in der Ausstellung hautnah nachvollzogen werden. In der römischen Kleinstadt von Kempraten am Zürichsee fanden sich mehrere Fluchtäfelchen, die davon berichten. In Kempraten – heute Rapperswil/Jona – befindet sich die bisher einzige bekannte römische Kleinstadt auf St.Galler Kantonsgebiet. In dieser Stadt am Zürichsee mit öffentlichen Bauten, Wohn- und Handwerks-quartieren gab es mehrere Tempel, darunter sogar ein Mithras-Heiligtum, das dritte in der Schweiz nachgewiesene, entdeckt 2015. In Kempraten trafen ausserdem Handelswege aufeinander. Auf dem dichten Verkehrsnetz zu Wasser und über Land gelangten Luxusgüter und Ideen, aber auch Menschen aus teilweise weit entfernten Gebieten zu uns.

Partner rund um den See
Highlights aus vier Staaten rund um den Bodensee sind in dieser Sonderausstellung zusammengetragen – insgesamt über 200 Ausstellungsobjekte. Ergänzt wird die Ausstellung in St.Gallen durch Funde aus der römischen Kleinstadt Kempraten, ein Forschungs-schwerpunkt der Kantonsarchäologie St.Gallen. Die Sonderausstellung «Stadt, Land, Fluss – Römer am Bodensee» ist eine gemeinsame Sonderausstellung des Museums für Archäologie Thurgau, des Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg, der Kreis-archäologie Konstanz, des vorarlberg museum und der Archäologie Liechtenstein.

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