Nach vielen Jahren auf der Bühne wendet sich der Schweizer Schauspieler, bekannt für seine Darstellung des Mephisto in Peter Steins legendärem «Faust» sowie als Träger des Schweizer Theaterpreises 2015, der japanischen Dichtkunst zu. Die minimalistische Form des Haiku – bestehend aus drei Zeilen und 17 Silben – gibt eine klare Struktur vor, in der Robert Hunger-Bühler eine Analogie zum Menschsein erkennt. arttv.ch hat den renommierten Schauspieler und Sprachkünstler im Wildnispark Zürich Langenberg getroffen und mit ihm über sein neues Buch «Die Blume im Mund» gesprochen.
Mit Robert Hunger-Bühler im Wald, auf der Bühne des Lebens
In seinem Gedichtband «Die Blume im Mund» findet Robert Hunger-Bühler im Haiku zu einer eigenen, poetischen und verdichteten Sprache.
Robert Hunger-Bühler über sein Buch
Wir lernten, dass jegliches seine Bedeutung haben müsse, sinnfällig und brauchbar für unser Leben zu sein hätte. Das Belanglose, Nichtige, Törichte lernten wir nicht. In dieser überlauten Welt wimmelnder Bedeutungsjunkies, die uns bisweilen bis in den Schlaf hinein verfolgt, wünsche ich mir oft, die Sprache möge verstummen, austrocknen, sie möge die Leere einer Musik-Note erlangen, wie Roland Barthes das vom Geplapper der Seelen befreite Haiku beschreibt.
Das Haiku möchte zweimal gesprochen werden, und in der Wiederholung wie ein Echo verklingen und verschwinden. Ein kurzes Ereignis, das in einem Zuge seine richtige Form findet, gleich einer mattleuchtenden Schneeflocke oder einer Taumeltraube, einen Windhauch lang, unfassbar.