Die Solothurner Literaturtage sind das grösste mehrsprachige Literaturfestival der Schweiz. Das Programm reicht von klassischen Lesungen über Diskussionsrunden, Podien, Gespräche und Workshops bis hin zu spielerischen Formaten. Autor:innen und Übersetzer:innen aus allen vier Sprachregionen sowie internationale Gäste präsentieren auf verschiedenen Bühnen in der Altstadt ihre aktuellen Werke und diskutieren zentrale literarische wie gesellschaftspolitische Fragen der Gegenwart.
An drei Tagen dreht sich in Solothurn alles um Literatur
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Rund 70 geladene Gäste präsentieren ein vielfältiges Programm – von bekannten und gefeierten bis zu neuen Stimmen der zeitgenössischen Literatur.
Das aktuelle Literaturschaffen im Fokus
Lukas Bärfuss feiert in Solothurn die Premiere seines neuen Buches «Königin der Nacht» (Rowohlt, 2026). Darin nähert er sich seiner eigenen Mutter: einer Frau ohne Bildung und Perspektiven, die sich weigert, Mutter zu sein. Auch Dorothee Elmiger wird erwartet, deren Roman «Die Holländerinnen» (Hanser, 2025) mit dem Bayerischen, dem Schweizer und dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde. Ein junges französischsprachiges Talent präsentiert sich mit Jonas Sollberger. Der Student am Schweizerischen Literaturinstitut sorgt mit seinem Debüt «Viens Élie» (Éditions de Minuit, 2026), einer poetischen Suche nach Identität, im In- und Ausland für Aufmerksamkeit. Die Lyrik ist unter anderem mit der italienischsprachigen Autorin Noemi Nagy vertreten, in deren Gedichtband «Sottopelle» (Samuele Editore, 2025) der Körper zur vielschichtigen Metapher für unsere Gegenwart wird. Auch aus dem Inland richtet das Festival überzeugende neue literarische Stimmen in den Fokus: Katja Früh, Camille Leyvraz, Louisa Merten, Katinka Ruffieux, Kat Splitterberg, Veronika Sutter und Olivier Vonlanthen präsentieren ihre Romandebüts.
Internationale Stimmen in Solothurn
Mit Dimitré Dinev, dem Gewinner des Österreichischen Buchpreises, Katerina Poladjan, kürzlich mit dem Grossen Preis des Deutschen Literaturfonds ausgezeichnet, sowie den Bestsellerautor:innen Olivier Guez (Frankreich), Marco Balzano (Italien) und Lize Spit (Belgien) sind renommierte europäische Schriftsteller:innen mit ihren aktuellen Büchern zu Gast. Neu auf Deutsch zu entdecken ist die südsudanesische Autorin Stella Gaitano in der Übersetzung von Larissa Bender, neu auf Französisch die palästinensische Autorin Asmaa Azaizeh in der Übersetzung von Chakib Ararou.
Empfehlung: Drei Romandebüts aus der Schweiz

Hundesöhne von Louisa Merten | Klappentext: Das Tierheim Le Chat, das auch Lösch genannt wird, ist Ginnys Zuhause geworden. Seit mehreren Jahren kümmert sie sich zusammen mit dem kauzigen, verwitweten Betreiber Sebrov, dem »Hundeflüsterer«, und seinem Sohn Mirko um die heimatlosen Katzen und Hunde.
Eines Tages taucht eine neue Praktikantin, Aka, im Lösch auf. Die Routine gerät aus den Fugen. Ginny wird mit ihrer Herkunftslosigkeit konfrontiert. In wachsender Verwirrung und Verunsicherung beschäftigt sie sich mit ihrer Vergangenheit. Ginny will ihre Geschichte neu erfinden. Einen Besucher des Tierheims erklärt sie zu ihrem Vater und verschafft sich Zutritt zu dessen Haus. Der Konflikt zwischen alter und imaginierter Herkunft eskaliert. Das Verwischen von Spuren wird im Lösch, wo Hoffnung und Verzweiflung, Liebe und Hass, Ankunft und Abschied einander bedingen, zu einer Frage von Leben und Tod. (2025, Lenos Verlag)

«Vielleicht ist die Liebe so» von Katja Früh | Klappentext: »Der Termin ist am 18. Februar um vier. Trag dir das ein!«, sagt Anjas Mutter und schlürft genüsslich ihre Won-Ton-Suppe. Sie meint damit weder Friseur noch, sondern ihr eigenes Ableben. Anja, Anfang vierzig, früher Schauspielerin, nun Barkeeperin, wirft diese Ankündigung aus der so oder so ungeraden Bahn, auch wenn das Verhältnis zu ihrer eigenwilligen Mutter schon immer kompliziert war und sie unentwegt um Abstand und ihr eigenes Leben und Lieben ringt. Und ausserdem: Was soll denn nur aus Mamas Hund werden? (2025, Diogenes Verlag)

«Zu wenig vom Guten» von Katinka Ruffieux | Klappentext: Endlich echte Schweizerin werden – das ist der grösste Wunsch der namenlosen Ich-Erzählerin mit ungarischen Wurzeln. Doch die familiären Bande sind so eng wie das Arbeiterhaus, in dem sie sich mit ihrer älteren Schwester und dem Grossvater das Zimmer teilen muss. Nach dessen Tod driftet die Familie zusehends auseinander, und die ältere Schwester bricht aus – sie ist kaum noch zu Hause, stürzt sich in die Jugendunruhen, die Anfang der 80er-Jahre das konservative Zürich aufmischen. Für die Jüngere ist klar: Nur eine von ihnen darf rebellieren. Doch als ihre Schwester eines Tages ganz verschwindet, begibt sie sich auf deren Spuren. Und das bleibt nicht ohne Konsequenzen. (2025, Arche Literatur Verlag)
(Textgrundlage: Pressetext 48. Solothurner Literaturtage)