Ausstellungen
«Flowers of the Revolution» von Dineo Seshee Bopape (Ausschnitt) | 2022 | © Courtesy of the artist & Sfeir-Semler Gallery Beirut/Hamburg

Verspielt, lustig und respektlos – «Fun Feminism» im Kunstmuseum Basel

Die in «Fun Feminism» gezeigte Kunst stellt humorvollen Aspekte feministischer Perspektiven in den Fokus.

Seit rund 50 Jahren arbeiten Künstler:innen, Kunsthistoriker:innen und Kulturschaffende daran, feministische Perspektiven in den visuellen Künsten zu stärken: Darstellungsweisen von Geschlechterbildern und –rollen werden so neu definiert. Viele der Werke nutzen dabei (Selbst-)Ironie und Humor, um patriarchalische Strukturen mit einem Augenzwinkern offenzulegen und auch blosszustellen. Dabei kommen neben gesellschaftskritischen Perspektiven auch bestärkende und lustvolle Momente zur Sprache.

Künstler:innen:

Polly Apfelbaum, Monika Baer, Lynda Benglis, Dara Birnbaum, Pauline Boudry & Renate Lorenz, Dineo Seshee Bopape, Ruth Buchanan, Pauline Curnier Jardin, Paz Errázuriz, Jana Euler, Sylvie Fleury, Andrea Fraser, Ellen Gallagher, Anna Gili, Guerrilla Girls, Ani Liu, Muda Mathis & Sus Zwick, Kirsi Mikkola, Ebecho Muslimova, Lorraine O’Grady, Pipilotti Rist, Tracey Rose, Martha Rosler, Karin Sander, Sarina Scheidegger & Ariane Koch, Cindy Sherman, Wiebke Siem, Lena Maria Thüring, Rosemarie Trockel, Fatimah Tuggar, Lily van der Stokker, Kawita Vatanajyankur, Puck Verkade, Marianne Wex, Nives Widauer, Melanie Jame Wolf, Betty Woodman, Aline Stalder & Nadine Cueni & Katharina Kemmerling & Katrin Niedermeier.

Körperkult, Geschlechterrollen und Stereotype

Gemeinsames Merkmal der ausgewählten Werke ist, dass die Künstler:innen ihre individuellen Rückschlüsse aus scharfen Beobachtungen von Genderstereotypen treffsicher und mit Humor formulieren. Die Werke haben unterschiedliche Fokussierungen: der feministische Blick auf Darstellungen des weiblichen Körpers findet sich zum Beispiel in den Zeichnungen und Gemälden von Ebecho Muslimova (*1984), Marianne Wex (*1937) verarbeitet in ihren Collagen genderspezifische Haltungen und Gesten. Tracey Rose (*1974) und Cindy Sherman (*1954) stellen in ihren Arbeiten tradierte Geschlechterrollen in den Medien infrage, während Kawita Vatanajyankur (*1987) und die Guerilla Girls (gegründet 1985) Genderstereotypen und -ungerechtigkeiten im Kulturbetrieb und anderswo kritisch reflektieren. Anhand dieser Themenkomplexe wurde die Ausstellung aus einer Mischung von Sammlungswerken und Leihgaben konzipiert, die die westliche Kunstgeschichte mitgeprägt haben.

Humor als Strategie

Die Ausstellung soll keinen repräsentativen Überblick über historische und aktuelle feministische Diskurse bieten. Sie zeigt vielmehr, dass Humor, Komik und Satire zu verschiedenen Momenten passende Methoden und Motive für ein feministisches Vokabular liefern und bestimmende Stilmittel einer künstlerisch-feministischen Haltung sind, die auf ein befreiendes Lachen setzt. Wie die Kunsthistorikerin Linda Hentschel vor rund zwanzig Jahren in ihrer Analyse zu Raumwahrnehmung und Geschlechterordnung schrieb, spricht das Lachen eine inoffizielle Wahrheit an, indem es marginalisierte und tabuisierte Aspekte in der Gesellschaft vor Augen führt. Humor wirkt so von unten nach oben, also bottom up. Lachen dient entsprechend – damals wie heute − als wirksames Werkzeug sozial benachteiligter Gruppierungen im kritischen Umgang mit herrschenden Ordnungssystemen.

Die vermeintliche Humorlosigkeit

«Fun Feminism» präsentiert rund 40 Werke aus den 1960er bis 1990er Jahren aus der Sammlung des Kunstmuseums Basel zusammen mit einer Auswahl jüngerer Arbeiten von Schweizer und internationalen Gegenwartskünstler:innen. Die Idee dafür entstand im Gespräch zwischen den in Basel lebenden Künstlerinnen Senam Okudzeto und Claudia Müller. Sie traten mit dem Vorschlag an das Kunstmuseum Basel heran, die Sammlung durch eine feministische Linse zu betrachten und gleichzeitig dem Stereotyp der vermeintlichen Humorlosigkeit des Feminismus mit einer Betonung auf Aspekte der Freude, Verspieltheit und Respektlosigkeit zu begegnen. Das Projekt entwickelte sich zu einem breiteren Dialog mit den Kuratorinnen des Kunstmuseums, Maja Wismer und Alice Wilke, die neue Interessen und Perspektiven zum Thema einbrachten.

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