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Tiden, Wetter und anderes

Die dritte Ausgabe der Sommergäste präsentiert „Tiden, Wetter und anderes“ der Künstlerinnen Mireille Gros (Zeichnungen) und Fränzi Madörin (Musikperformance).

das unstabile
das verunsichernde
alles im fluss, alles im wandel
fuzzy logic und das chaos
das wetter hat system, es ist ein chaotisches system
M. Gros und F. Madörin

Die Impressionisten-Sammlung des Museums Langmatt beherbergt zahlreiche Werke, die nach der Natur entstanden sind. Der Widerspruch zwischen geschlossenem, lichtgeschütztem Ausstellungsraum und der angestrebten Freilichtmalerei der Impressionisten steht für die diesjährigen Sommergäste, die Zeichnerin Mireille Gros und die Musikperformerin Fränzi Madörin, am Beginn ihrer Arbeit.
Ausgehend von Eugène Boudins (Honfleur 1824-1898 Deauville) kleinformatigem Gemälde Wäscherinnen am Ufer der Touques (1895, Öl auf Holz, 24 × 35 cm), dessen rauchende Schornsteine im Hintergrund auf die zunehmende Industrialisierung in Europa am Ende des 19. Jahrhunderts hinweisen, holen die Künstlerinnen in «emotionalen Landschaften» die Unberechenbarkeit und Flüchtigkeit der Witterung in die organisierte Welt der Industriellenvilla. In Form eines assoziativen Dialogs, zu dem ebenfalls Wandzeichnungen mit zwei Spiegelungen des besagten Boudin-Bildes zählt, erkunden sie auf zeichnerischer und tonkünstlerischer Ebene instabile Anordnungen – Wetterzustände, Wandel in der Natur, Stimmungen – und deren verborgenen Zusammenhänge. Die Ausstellung widmet sich somit den letztlich nicht wissenschaftlich exakt messbaren und fassbaren Dimensionen von «Zeiträumen und Raumzeiten» (M. Gros): Es ist das Unbestimmte, von den Wissenschaftlern mit dem Begriff «fuzzy logic» (dtsch. Unschärfen-Logik) umschrieben, welches die Künstlerin beschäftigt: «Nicht deshalb, weil ich die Welt so haben möchte, sondern weil ich die Welt so erlebe.» Die Erkundung von «Zwischenräumen» und «Zwischenzeiten» durchzieht das gesamte Œuvre von Mireille Gros, welches neben Zeichnungen ebenfalls Gemälde, Video-Arbeiten und Installationen umfasst: so bildete das Ufer und der Strand als (Zwischen-)orte, wo sich Wasser und Erde begegnen oder die Morgen- und Abenddämmerung als (Zwischen-)zeiten, wo sich Nacht und Tag treffen, schon in früheren Werkgruppen ein zentrales Thema: «Im Weiss hat es immer ein bisschen Schwarz und im Schwarz hat es immer ein bisschen Weiss, es ist eine ständige Begegnung der Extreme. Es ist eben fliessend, nicht absolut, das heisst nicht ‚entweder oder’, sondern ‚sowohl als auch’.»

Ebenso wie bei den ersten Sommergästen Michael Günzburger & Petra Ronner (2006), wird die diesjährige Sommergäste-Ausstellung mit musikalischen Interventionen bereichert: Audioguides, heute in Museen vornehmlich zur kunsthistorischen Wissensvermittlung eingesetzt, rüstet Fränzi Madörin mit eigens für die Ausstellung komponierte Musik, Texten und Klängen aus und macht sie damit zu einem eigenständigen Ausstellungsteil: «Es ist nicht mein Ziel, einen musikalischen Museumsguide zu machen. Mit meiner Musik schaffe ich zusätzliche Räume, eine zusätzliche Welt, die sich wie selbstverständlich mit der Bilderwelt von Mireille verwebt.»

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