Die Zürcher Künstlerin Shirana Shahbazi (1974) lotet die Möglichkeiten der Fotografie aus und erweitert das Medium kontinuierlich um unterschiedlichste Techniken und Verfahren. Ausgangspunkt ihrer Arbeiten ist häufig ein Bild, das sie in einem vielschichtigen Prozess transformiert und weiterentwickelt. Im Kunstmuseum Luzern zeigt sie ihre Werke derzeit in der Ausstellung «All at Once. An Interplay with Li Tavor», wo sie mit Arbeiten von Li Tavor in Dialog treten. Gleichzeitig bespielt sie mit einer temporären Installation das Baugerüst des Grossmünsters, das im Zuge einer umfassenden Sanierung verhüllt ist.
Shirana Shahbazi – Die Kunst der Überlagerung
- Publiziert am 11. Juni 2026
Spiegelung, Überlagerung, Wiederholung: Shirana Shahbazi im dreidimensionalen Dialog mit Li Tavor im Kunstmuseum Luzern.
Zur Ausstellung erscheint die Publikation «Shirana Shahbazi. All at Once» mit Unterstützung von Binding Sélection d’Artistes. Sie vereint Shahbazis bedeutendste Werke in einem umfangreichen Bildband und zeigt sie im Kontext der zahlreichen räumlichen Interventionen der Künstlerin.
Verschobene Perspektiven und mehrschichtige Bildräume
Charakteristisch für Shahbazis Schaffen ist ein experimenteller Umgang mit dem Medium Fotografie. Ihre Arbeiten zeigen Landschaften, Gebäude, Personen und Objekte. Mithilfe verschiedener Drucktechniken wie Siebdruck oder Lithografie übersetzt sie ihre Bilder in vielschichtige Darstellungen. Die Werke oszillieren zwischen Figuration und Abstraktion, sie spielen mit dem Moment des Uneindeutigen. Dies spiegelt sich beispielsweise in der seit 2023 fortlaufenden Serie «Displacement» wider. Darin fotografiert sie Modelle architektonischer Fragmente, die sie im Studio bühnenhaft inszeniert. Aus mehreren Perspektiven fotografiert, entstehen im analogen schwarz-weissen Verfahren mehrschichtige Abzüge, die die Künstlerin mit von Hand aufgetragenen lasierenden Farbverläufen erweitert.
Zwischen Wirklichkeit und Illusion
In der Serie «Displacement» verschmelzen Räume, in denen nicht klar ist, wo oben und unten oder innen und aussen ist. Mehrschichtige, komplexe Räume zu schaffen, ist in Shahbazis Schaffen ein wiederkehrendes Motiv, mittels dessen sie das Verhältnis von Realität, Wirklichkeit und Wahrnehmung auslotet. Dies zeigt sich auch in ihrer Videoarbeit «An Other Place» (2023). Darin experimentiert sie erstmals mit 16mm-Film. Für die Ausstellung kreiert Shahbazi eine neue Videoarbeit.
Ein vielschichtiges Ausstellungserlebnis
In der Ausstellung «Shirana Shahbazi. All at Once. An Interplay with Li Tavor» präsentiert Shahbazi Werke verschiedener Schaffenszeiten. In einem dichten Geflecht von Oberflächen, Formaten, Farben und Licht ist ihr Œuvre komplett losgelöst von Ort und Zeit, jedoch gleichzeitig im Museumsraum verankert. In der Ausstellung sind nebst ihren Arbeiten auch Werke von Li Tavor und Monir Shahroudy Farmanfarmaian zu sehen. Im Zusammenspiel reagiert Tavor auf die Ausstellungsarchitektur mit von der Decke hängenden Latexbahnen. Je nach Blickrichtung überlagern sich die Latexbahnen mit Shahbazis Werken an der Wand. So entsteht ein dreidimensionaler Dialog, den das Publikum räumlich erfahren kann.
